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	<title>AggroMigrant &#187; Mauerbluemchen</title>
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	<description>Migranten über Deutschland und die Welt.</description>
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		<title>Begegnung in der Fremde</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Sep 2010 16:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mauerbluemchen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aggrolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Demografie]]></category>
		<category><![CDATA[Alte Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuch]]></category>
		<category><![CDATA[Russin]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenbahn]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>An einem Mittag nach dem Einkaufen hatte ich eine nette Begegnung mit einer lieben alten Dame (das ist nicht ironisch gemeint). Ich könnte sagen, wir sind Freunde geworden. Denn aus unserem anfänglichen Verständigungsproblem wurde  von einem Moment auf den anderen ein vertrauliches Gespräch.</p>
<p>Ich wartete auf meine Straßenbahn, als eine sehr alte Dame neben mir mich ansprach. Sie trug ein Kopftuch, aber im russischen Stil. Sie sah auch aus wie eine Russin. Ich konnte sie kaum verstehen, weil sie nicht gut Deutsch konnte und auch weil sie ihres Alters wegen nicht sehr deutlich sprach. Aber es ging auf jeden Fall um ihre Straßenbahn. Sie sagte dessen Nummer. Und jetzt war ich mir sicher: Sie musste eine Russin sein. Denn sie wohnte in dem Bezirk, der für die große Anzahl russischer Einwohner bekannt war. In dieser Gegend wohnte ich (Türkin) auch.  Ich vermutete anfangs, dass sie sich nicht mit den Straßenbahnen auskennt und deswegen sagte ich ihr: „Ich wohne auch dort, ich sage ihnen Bescheid, wenn die Bahn kommt.“ Sehr erleichtert schien sie dadurch irgendwie nicht. Sie nannte auch die Haltestelle, zu der sie musste. Und dann erzählte sie mir ein paar Dinge, die ich nicht wirklich verstand. Es war die Rede von einem Unfall, von einem Termin und  davon, dass sie viel laufen musste. Scheinbar wartete sie schon länger auf die Bahn und als ich mich danach vergewissern wollte und fragte, gab sie mir eine Antwort, die ich nicht verstand, vielleicht weil sie mich auch nicht verstand.</p>
<p>Dann schaute sie ab und zu nach der Bahn, aber es kamen nur einige der vielen anderen Straßenbahnen vorbei.</p>
<p>Mittlerweile hatte ich auch verstanden, dass sie weiß, wie ihre Bahn aussieht und es ihr nur ums warten ging. Sie fragte mich nach der Uhrzeit. Es war 15:14 Uhr. Langsam wurde mir ihre Sorge immer klarer. Sie bekomme Besuch um 16:00 Uhr und die Bahn war immer noch nicht da. Ich sagte ihr: „Wenn die Bahn gleich kommt, schaffen sie das.“ Ab und zu machte sie ein paar Bemerkungen und ich nickte einfach bejahend. Das war besser, als nachzufragen, was sie denn meint und dann, wenn sie dasselbe wiederholt, es wieder nicht  zu verstehen.</p>
<p>Für eine kurze Zeit hörten wir auf zu reden. Sie schaute nach den vorbeifahrenden Straßenbahnen, ab und zu sah sie mich an und lächelte. Und dann fragte sie mich:„ Sind sie muslimisch?“. Ich dachte, vielleicht will sie mich irgendetwas bezüglich meines Kopftuchs oder meines Glaubens fragen. Ich erwiderte ihre Frage mit einem Ja. „Turk?“, wollte sie danach wissen. Wieder sagte ich Ja. „Bende Türküm.“ (Ich bin auch Türkin.), teilte sie mir mit.</p>
<p>Ich war wirklich verwundert. Wie ich mir doch eingebildet hatte, sie sei Russin. Und dass wir die ganze Zeit umsonst deutsch gesprochen und somit Schwierigkeiten hatten uns zu verstehen, das schien sie gar nicht zu kümmern, wo ich es doch schon sehr witzig fand. Auf Türkisch setzen wir unser Gespräch fort. Dadurch verstand ich viel mehr von dem, was sie mir die ganze Zeit versucht hatte, zu erklären. Ich wollte von ihr wissen, wieso sie mit mir auf Deutsch geredet hatte und sie antwortete, sie habe gedacht, ich sei Araberin, weil ich mein Kopftuch so wie die Araberinnen trage. Wir hatten uns also beide was eingebildet. Daraufhin sagte ich, dass ich sie für eine Russin gehalten hatte, aber das hat sie nicht interessiert.  Sie redete lieber über andere Dinge. Unter anderem, die Dinge, die sie mir vorher auf Deutsch erzählt hatte. Jetzt ergab auch alles einen Sinn:</p>
<p>Es gab einen Straßenbahnunfall und deswegen musste sie von dort aus bis zu ihrem Arzt  zu Fuß laufen, also vom Unfallsort bis zu der nächsten Haltestelle. Danach kaufte sie sich neue Teegläser, weil ihre vorherigen irgendwie verfärbt waren und sie die Färbung auch mit Bleichmittel nicht entfernen konnte. Sie schäme sich, wenn Besuch kommt und sie ihnen Tee mit diesen Gläsern serviert. Und dann gab es noch einige andere Dinge von denen sie mir erzählte.  Krankheiten, die sie hatte, schilderte sie mir  und auch von Todesfällen in der Familie sagte sie viel. So kannte ich das auch von den meisten älteren türkischen Frauen.  Ein paar wichtige Themen sind Krankheit, Tod, Einsamkeit. Auch von ihrer Heimat erzählte sie mir. Sie sei das letzte Mal vor acht Jahren in der Türkei gewesen. „Sie vermissen es sicherlich“ sagte ich daraufhin. „ Was soll ich denn vermissen, ich habe dort niemanden mehr“, war ihre Antwort. Es waren ja viele verstorben. Von den wenigen Verwandten aus der Türkei, zu denen sie noch Kontakt hatte, erzählte sie mir dann auch. Mittlerweile waren wir schon in unsere Straßenbahn und saßen nebeneinander. Von ihren Enkeln, Tanten, Schwestern, Brüdern, Kindern redete sie. Auf welche Schule ich gehe, aus welcher Stadt ich komme fragte sie mich und irgendwann auch  nach meinem Namen, aber sie teilte mir auch gleich nach meiner Antwort mit, dass sie es wahrscheinlich sowieso vergessen würde, denn sogar die Namen ihrer Enkel vergesse sie. In ihrem Alter ist das doch verständlich, dachte ich mir. Und so setzte sich unser Gespräch fort, bis sie schließlich aussteigen musste. „Richte deiner Mutter einen Gruß von mir aus“, sagte sie zum Schluss. Meine Mutter kannte sie zwar nicht, aber so etwas kommt trotzdem ganz nett rüber. Ich wusste jetzt ja auch wie sie hieß, bis ich zu Hause ankam&#8230; . Danach wusste ich nicht mehr, ob es Serpil oder Sevim war, wobei ich vom ersteren viel überzeugter war. Mit Namen hatte ich es auch nicht so. Naja, in meinen Gedanken wird sie einfach Serpil heißen.</p>
<p>Vielleicht begegne ich Serpil ja wieder, in der Straßenbahn oder an einer Haltestelle und hoffentlich halte ich sie nicht wieder für eine Russin.</p>
<p>Es war eine schöne Erfahrung einander erst fremd zu begegnen und dann plötzlich ganz vertraut zu sein.</p>
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		<title>Zoo Deutschland</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Sep 2010 06:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mauerbluemchen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuch]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Zoo Tycoon]]></category>
		<category><![CDATA[zwei alte Damen]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem Weg nach Hause. Es war ein anstrengender Tag. 17:30 Uhr, fertig mit dem Sportunterricht stieg ich in die Straßenbahn und setzte mich wie immer ganz nach vorne. Das... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2010/09/11/zoo-deutschland/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Auf dem Weg nach Hause.</strong></p>
<p>Es war ein anstrengender Tag. 17:30 Uhr, fertig mit dem Sportunterricht stieg ich in die Straßenbahn und setzte mich wie immer ganz nach vorne. Das weitere wird euch wohl zu bekannt vorkommen. Wieso erzählt eine Kopftuchträgerin von ihrem Aufenthalt in der Straßenbahn? Genau, weil sie hier einmal, manchmal oder immer schlechte Erfahrung macht, wie auch an anderen öffentlichen Orten. Ich fasse es kurz zusammen: Zwei alte Damen unmittelbar in meiner Nähe  fingen an über mich und all die anderen “Vogelscheuchen“ zu tratschen. Als Kopftuchträgerin ist man wohl etwas Besonderes, oft etwas besonders Schlechtes.</p>
<p>Aber diesmal wollte ich weniger darüber nachdenken, was diese gutmütigen alten Damen über mich dachten. Was ich für sie war, war mir schon bewusst, aber was waren sie für mich? Sollte ich sie hassen oder bemitleiden? Vielleicht würde ich ja im Laufe des Tages noch darauf kommen. Angekommen an meiner Haltestelle ging ich lächelnd an den zwei Damen, die jetzt ihre Blicke von mir abwandten, vorüber.</p>
<p><strong>Endlich zu Hause.</strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2010/09/Zoo-Tycoon-2.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-2580" title="Zoo Tycoon 2" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2010/09/Zoo-Tycoon-2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nach dem Essen schmiss ich mich erst mal vor meinen Laptop. Anders als viele andere 19-jährige Mädchen spiele ich am PC auch ab und zu gerne. Ich entschied mich für Zoo Tycoon. Ich fing bei Null an. Ein Zoo in der Wüste sollte es sein.</p>
<p>Das Spiel hat für mich irgendwie eine ganz entspannende Wirkung. Am Anfang gibt es nämlich noch keine Probleme. So ist es im Spiel und so ist es auch im Leben. Erst ein paar Wege, dann das erste Gehege. Welches Tier sollte es werden? Ich hatte ganz schön viele zur Auswahl. Löwen, Kaiserpinguine, Elefanten, Breitmaulnashorne, … Auf der Suche nach dem richtigen Tier dachte ich dann an die Damen aus der Straßenbahn. Irgendwie fand ich das gemein von mir. Ihre Unwissenheit machte sie ja nicht gleich zu Tieren! Ich entschied mich schließlich für zwei weibliche Orang-Utans. Sie sollten sich nicht vermehren. Irgendwann wird sonst das Gehege zu eng und dann machen sie mir Probleme. Nach kurzer Zeit eröffnete ich meinen Zoo. Mit den Besuchern ist das auch so eine Sache. Egal wie gut Dein Zoo ist, es gibt immer welche, die etwas zum Meckern finden. Aber das ist normal. Nicht nur im Zoo, draußen in der realen Welt begegnet man ja auch ähnlichen Problemen. Nicht jedem muss mein Zoo gefallen. Genau! Die zwei Damen aus der Straßenbahn waren Besucher, keine Äffchen!</p>
<p>Im Spiel sprechen die Menschen ihre bösen Gedanken nicht aus, aber man darf diese lesen. Das tat ich auch öfter. Ich muss ja wissen, was Außenstehende von meinem Zoo halten. Nur so kann ich mich verbessern. Von den Bedürfnissen her sind die meisten Besucher gleich. Sie schauen sich ein paar Gehege an, essen etwas, müssen auch mal auf die Toilette. Das Verhalten und die Gedanken sind auch meistens ganz anständig. Schließlich befindet man sich auf fremdem Terrain, an einem öffentlichen Ort.</p>
<p>Ich wusste, zu welchem Besucher-Typ die zwei alten Damen gehörten, nämlich zu denen, der als einziger herausstach. Diesem Typen gefällt alles, nur der Zoo nicht.</p>
<p>&#8220;Ich mag diesen Zoo nicht!&#8221;</p>
<p>&#8220;Orang-Utan1 sieht sehr zufrieden aus!&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich mag diesen Zoo nicht.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich finde den Schäferbaum sehr interessant.&#8221;</p>
<p>So ungefähr sieht der Gedankenverlauf aus. &#8220;Die Besucher lieben ihren Zoo!&#8221; heißt es, aber immer gibt es einzelne Personen, die sich beschweren. Irgendwie gebe ich mir dann doch mal die Mühe und versuche die zwei älteren Damen davon zu überzeugen, dass mein Zoo eigentlich ganz gut ist, vielleicht nicht das Beste, aber gut. Man sollte ja entgegenkommend sein. Wenn sie erschöpft sind, bringe ich sie an einen Ort, an dem sie sich ausruhen können. Wenn sie Hunger haben, stelle ich sie vor das Nobelrestaurant.</p>
<p>Normalerweise gefällt das den meisten Besuchern. Sie müssen sich die Mühe nicht selbst machen. Aber der Ich-mag-diesen-Zoo-nicht-Besucher hasst den Zoo trotzdem und geht unzufrieden nach Hause. Wenn ich sehe, dass ich trotz der Mühe keinen Erfolg bei dieser Person habe, wenn es nervig wird, mache ich dann etwas anderes, etwas Spaßiges. Etwas, was ich aber nicht im realen Leben mache (oder bisher nicht gemacht habe). Wenn alle „bösen, alten“ Damen ihre Gedanken, die sie für sich behalten können, aussprechen würden und für immer auf dieser Meinung beharren würden, wäre es immer noch kein Grund sich schlecht gegenüber ihnen zu benehmen!</p>
<p>Aber gut, dass ich als Zoodirektor machen kann, wonach mir ist. Ich positioniere den Zoohasser an die Stelle, die er verdient hat. &#8220;Hilfe! Wolf3 jagt mich!&#8221;, &#8220;Hilfe! Wolf5 jagt mich!&#8221; heißt es  diesmal und mein Besucher  rennt im Wolfsgehege umher. Vergleichend mit der Situation mit den zwei alten Damen könnte man auf die Idee kommen, dass ich an dieser Stelle einen Wolf, ein Tier, und in diesem Fall den Täter spiele. Aber ein Tier möchte ich nicht sein, genauso wenig wie die Damen aus der Straßenbahn es sein wollen würden. Die Wölfe hier spiegeln eher die Wut wieder, die einen doch manchmal überkommt, wenn man nicht gerecht behandelt wird.</p>
<p>Ich spielte weiter. Je größer mein  Zoo wurde, desto bekannter wurde ich, desto mehr Besucher liebten und hassten meinen Zoo. Irgendwann wurde es dann aber zu kompliziert. Nicht nur die Menschen, auch die Tiere machten mir langsam zu schaffen.  Im Zoo schienen sich so die Probleme zu häufen. Sie waren nicht unüberbrückbar, aber etwas beanspruchend. Da will man wieder zurück an den Anfang, um etwas Leichteres zu machen. Und plötzlich hatte ich Lust auf ein ganz anderes Spiel. Wüsten-Zoo speichern und beenden.</p>
<p>Wie gut, dass man einen einzigen älteren Bruder hat, der dann seine Hobbies gerne mit seinen Schwestern teilt. Ich startete &#8220;Counter-Strike&#8221; und ging nach Italien. Rückblickend auf die Situation mit den alten Damen, fragte ich mich, welche der beiden Rollen ich in diesem Spiel übernehmen sollte? Den fiesen oder den gutmütigen Zoodirektor?</p>
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