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	<title>AggroMigrant &#187; Lieselotte</title>
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	<description>Migranten über Deutschland und die Welt.</description>
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		<title>&#8220;Immer diese Ausländer!&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 12:05:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Oder: ein bisschen Fremdenfeindlichkeit am Abend</em></p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7044" title="Kinderbuggy" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2012/03/Kinderbuggy-145x145.jpg" alt="" width="145" height="145" />Wien, Westbahnhof, irgendwann im Dezember. Vollbepackt, mit Buggy, Lieschen und mehreren Taschen laufe ich durch den Bahnhof. Es ist voll, und wie so oft in Mitten einer Menschenmasse laufen mir immer wieder Leute vor den Buggy. Wenn ich dann nicht schnell genug ausweiche, bemerken sie erst, wenn sie ueber die Raeder stolpern, dass dort ein Buggy faehrt. Das ist teilweise wirklich unangenehm, weil die wenigsten sich bewusst zu sein scheinen, dass nicht ich ihnen in die Hacken gefahren bin, sondern sie mir so vor die Raeder gelaufen sind, dass ich keine Chance auszuweichen hatte. (Bremsen alleine bringt nichts &#8211; fallen sie trotzdem drueber. Alles schon erprobt!).</p>
<p><strong>Kollision knapp verhindert</strong></p>
<p>So kommt es also auch diesmal wieder &#8211; fast &#8211; zu einer Kollision. Ich schaffe es gerade noch, mit dem Buggy entgegen zu lenken, aber die Ecke meines Rades beruehrt fuer den Bruchteil einer Sekunde das auesserste Ende der Turnschuhsohle eines jungen Mannes, der mit einem Freund im Bahnhof unterwegs ist. Ich weiss, dass ist <a href="http://und-das-meint-lieselotte.blogspot.com/2011/12/dillsoe.html">hier nicht ueblich</a>, aber ich murmele ein &#8220;Entschuldigung&#8221; und laufe weiter, bin mir gar nicht sicher, ob die beiden ueberhaupt mitbekommen haben, dass der Zusammenstoss nur knapp verhindert wurde.</p>
<p><strong>Ich bin (keine) Auslaenderin</strong></p>
<p>Haben sie. Als naechstes hoere ich naemlich ein deutliches: &#8220;Immer diese Auslaender!&#8221; von einem der beiden jungen Maenner. Ich bin so baff, dass ich einen Moment brauche, um zu fassen, was mir da gerade entgegen geschleudert wurde. Noch einen Moment brauche ich, um zu verstehen, dass die Antwort, die mir auf der Zunge liegt (&#8220;Ich bin keine Auslaenderin!!!&#8221;) hier nicht passt. <em>Remember</em>, in Wien sind wir, Wien, Oesterreich. So ein Mist aber auch.</p>
<p><strong>Ohne Widerspruch </strong></p>
<p>Bis ich auf eine weitere passende Antwort gekommen bin oder mir ueberlegt habe, ob ich doch den ersten Spruch bringen soll und darauf hoffen soll, dass die beiden a) mir abnehmen, ich sei mit perfekt deutsch-deutschem Akzent sprechende Oesterreicherin <em>(als Oesterreicherin Jahre in Berlin gelebt und soweit integriert, dass gleich schon den deutschen Sprachklang angenommen &#8211; kann doch sein?!) </em>oder b) meine neu angenommene oesterreichische Identitaet zumindest nicht offen in Frage stellen, sind die beiden schon weg. Und ich aergere mich noch den Rest des Tages ueber zwei Idioten und dass sie mit ihrem doofen Spruch ohne Widerspruch weggekommen sind.</p>
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		<title>Terror in Frankreich</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 09:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor Montag</strong></p>
<p>Zu Frankreich zu schreiben hatte ich schon seit einer Weile vor. Einen Artikel ueber die unsaegliche <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/frankreich-fleisch-vom-fleische-11678039.html">Halal-Debatte</a>, die seit einigen Wochen durch die franzoesischen Medien geisterte (wie gewoehnlich, passend zum Vorlauf zu den anstehenden Wahlen), und ueber die man in Deutschland und Oesterreich quasi nichts hoerte, wollte ich schreiben. Und dann kam der Montag dazwischen und ueber Halal-Fleisch sprach ploetzlich keiner mehr.</p>
<p><strong>Montag</strong></p>
<p>Mein Wecker in Wien klingelte und waehrend ich aufstand, erschoss ein Unbekannter in Toulouse zwei kleine Jungen und deren Vater und jagte ein kleines Maedchen ueber den Schulhof, bis er sie toetete. Ich stand auf, fruehstueckte, machte das Lieschen und mich fertig fertig und wir uns auf den Weg zu Kindergarten und Arbeit und erst dort erfuhr ich davon, was an diesem Morgen, der fuer uns wie jeder Morgen ausgesehen hatte, in Toulouse geschehen war.</p>
<p><strong>Schock</strong></p>
<p>In Toulouse, ausgerechnet in Toulouse. Ich kenne die Stadt gut, bin oft dort gewesen, habe viele Freunde und Bekannte, die dort leben. Ein Anschlag auf eine Schule, ausgerechnet auf eine Schule. Wie kann man so kaltbluetig sein, auf kleine Kinder, ihren Vater zu schiessen? Wie grausam muss es sein, einen solchen Anschlag zu ueberleben, seine Freunde sterben zu sehen, sein Kind zu verlieren.</p>
<p><strong>Angst</strong></p>
<p>Und dann war es nicht irgendeine Schule sondern eine juedische Schule. Ich weiss, wie ich mich nach dem Mord an Marwa El-Sherbini gefuehlt habe, als klar wurde, dass sie wegen ihrer Religion getoetet worden war. Zu wissen, dass es dort draussen Leute gibt, die die Gruppe, zu der sie dich zaehlen, so sehr hassen, dass sie bereit sind, dich zu toeten &#8211; Ich habe in Frankreich keine juedischen Freunde, aber einige in Deutschland und ich denke an sie und ihre Angst, die meiner so aehneln muss. Der Attentaeter ist weiter auf der Flucht; Toulouse voll von Polizisten mit Waffe in der Hand und abgesperrten Strassen. Wie lange wird das gehen, wann werden sie ihn fassen?</p>
<p><strong>Hoffen</strong></p>
<p>Und dann, nach so und so viel Zeit, in der ich vor dem Computer, mit der Zeitung in der Hand alle Informationen zum Thema zusammengesammelt habe, ist der Gedanke, wer um Himmels Willen so etwas tut, da: &#8220;O Gott, bitte mach, dass das kein Muslim war.&#8221; Einige Tage vor dem Anschlag in Toulouse wurden in Montauban, auch diese Stadt ist mir bekannt, auch dort habe ich Freunde, drei Soldaten nordafrikanischer Herkunft getoetet, ein dritter, der von den Antillen stammt, schwer verletzt. Drei Araber, ein Schwarzer, vier Juden &#8211; spricht das fuer einen rechtsextremistischen Hintergrund? Die Fallschaermjaegertruppen, denen die vier attackierten Soldaten angehoerten, waren in Afghanistan eingesetzt worden. Vier in Afghanistan kaempfende Soldaten, vier Juden &#8211; oder doch islamistisch motiviert?</p>
<p><strong>Politik</strong></p>
<p>Die Reaktionen der franzoesischen Politik sind wohltuend moderat. Der Schutz juedischer und muslimischer Einrichtungen wird befohlen, Sarkozy trifft sich mit Wuerdentraegern beider Religionen. Keine voreiligen Schuldzuweisungen werden getroffen, der Wahlkampf steht &#8211; fuer einen Moment &#8211; still.</p>
<p><strong>Dienstag</strong></p>
<p><em>Naim</em>, den ich aus meiner Studienzeit in Frankreich kenne, regt sich auf: &#8220;Ist ja mal wieder typisch. Drei Araber werden getoetet, ein Schwarzer angeschossen &#8211; und keiner ruehrt sich. Erst, wenn eine juedische Schule angegriffen wird, ist die Aufregung ploetzlich gross. Wenn es in diesem Land genauso schlimm waere, wenn ein Araber oder ein Schwarzer erschossen wird wie wenn ein Jude ermordet wird, dann haetten sie diesen Anschlag auf die Schule verhindern koennen&#8221;. Als einer seiner Bekannten anmerkt, dass die unterschiedliche Reaktionen seiner Meinung daher ruehrt, dass einmal Soldaten und dann Schulkinder Ziel der Anschlaege waren, ist Naim zwar immer noch sauer, aber er widerspricht nicht.</p>
<p><strong>Demo</strong></p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7007" title="Mohamed Merah" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2012/03/Mohamed-Merah-145x145.jpg" alt="" width="145" height="145" />Montagabend findet in Paris ein <a href="http://www.20minutes.fr/societe/900977-tuerie-toulouse-marche-silencieuse-paris-memoire-victimes">Trauermarsch</a> statt, an dem Tausende, viele junge, Menschen teilnehmen. Die <a href="http://www.uejf.org/">Union der Juedischen Studenten Frankreichs (UEJF)</a> nimmt teil und der eine oder andere franzoesische Politiker. Ein Transparent mit der Aufschrift &#8220;In Frankreich werden Juden, Schwarze und Araber getoetet&#8221; erregt Aufmerksamkeit. Neben den blau-weissen UEFJ-Plakaten und so mancher Frankreich- und Israel-Fahne entdeckt <em>Naim</em> Flaggen mit dem Logo der juedisch-extremistischen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_Defense_League">Jewish Defense League (JDL)</a>, die in Israel und den USA als terroristische Vereinigung verboten ist. Er schaeumt vor Wut. &#8220;Wie kann es sein, dass <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Delano%C3%AB">Delanoe</a> an einem Schweigemarsch teilnimmt, bei dem eine Terrororganisation mitspaziert?!&#8221;</p>
<p><strong>Mittwoch</strong></p>
<p>Israel trauert, die vier juedischen Opfer des Taeters werden in Jerusalem bestattet, das Bild der Mutter, deren siebenjaehrige Tochter am Montag starb, kann ich kaum ansehen. Frankreich trauert, im Sueden der Republik wird einer der getoeteten Soldaten vor den Augen seiner schwangeren Frau, einer jungen blonden Frau, die Schwangerschaft ist nicht zu uebersehen ist, zu Grabe getragen. In Toulouse verschanzt sich der mutmassliche Attentaeter in einer Wohnung, die Polizei schaltet das Gas im Viertel ab und beginnt, die Anwohner zu evakuieren. Schusswechsel, eine Explosion, Verhandlungen, angeblich will er sich stellen. Wer&#8217;s glaubt.</p>
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		<title>Was uns der Rechtsextremismus zeigt</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 10:04:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anderthalb Monate ist es her. Anderthalb Monate ist es her, dass sich Deutschland daran erinnerte, dass gewalttätige Islamisten keineswegs ein Monopol auf Terrorismus haben, dass in den letzten zehn Jahren... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/12/21/was-uns-der-rechtsextremismus-zeigt/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-6836" title="Nazis Nein" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/12/Nazis-Nein-145x145.jpg" alt="" width="145" height="145" />Anderthalb Monate ist es her.</p>
<p>Anderthalb Monate ist es her, dass sich Deutschland daran erinnerte, dass gewalttätige Islamisten keineswegs ein Monopol auf Terrorismus haben, dass in den letzten zehn Jahren die größte Bedrohung in Deutschland nicht von islamistischen, sondern von rechtsextremistischen Terroristen ausging.</p>
<p>Zweieinhalb Jahre ist es her.</p>
<p>Zweieinhalb Jahre ist es her, dass in einem deutschen Gerichtssaal eine junge Frau vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes, ihres Mannes mit 18 Messerstichen niedergemetzelt wurde und ihr Mann von einem herbeieilenden Sicherheitsbeamten, der ihn für den Angreifer hielt, angeschossen wurde. Die Frau verblutete vor den Augen ihres Mannes und Kindes &#8211; mit ihr starb ihr ungeborenes Kind. Wer hat damals auf die Warnungen der muslimischen Gemeinde gehört, dass die islam- und ausländerfeindlichen Hasstiraden des Täters ihnen nur allzu bekannt vorkamen, dass es im Netz an Internetseiten mit ähnlichen Argumentationen nur so wimmelt? Wo blieb eine klare <a href="http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/mord-marwa-el-sherbini-wo-bleiben-empathie-und-sachlichkeit-9992">Stellungnahme</a> der Kanzlerin? Sie blieb aus. Ein &#8220;Ausländer&#8221; hatte eine Ausländerin getötet; das Opfer war Muslimin, keine von uns.</p>
<p>Ein halbes Jahr ist es her.</p>
<p>Ein halbes Jahr ist es her, dass in Norwegen ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lone_wolf_%28terrorism%29">lone wolf</a> einen Doppelanschlag in Norwegen und auf der Insel Utroya ausführte. Ein halbes Jahr ist es her, dass wir uns an den Kopf fassten und fragten, wie es kommt, dass dieser Mann in einem Großteil der berichterstattenden Medien als Wirrkopf, als Einzeltäter, höchstens noch als Extremist bezeichnet wurde &#8211; und dass von Terrorismus kaum die Rede war. Dabei gab es auch Lichtblicke. Zumindest in einem Teil der deutschen Presse wurde die Frage, was Terrorismus ist und ob wir diesen Terminus in der Zwischenzeit schon so sehr mit islamistisch motiviertem Terrorismus verknüpft haben, dass er auf Terroristen anderer Gesinnung einfach nicht zu passen scheint, diskutiert. Endlich.</p>
<p>Und dann, vor anderthalb Monaten: ein Doppel(selbst)mord, ein brennender Wohnwagen, ein explodierendes Wohnhaus &#8211; und langsam, langsam die bedrohliche Ahnung, dass wir in Deutschland schon seit Jahren von rechtsextremistischem Terrorismus bedroht sind. In den ersten Tagen nach dem Tod zweier der mutmaßlichen Haupttäter waren noch Artikel zum Thema zu finden, in denen das Wort &#8220;Terrorismus&#8221; kein einziges Mal vorkam &#8211; aber das war spätestens nach Ende des Wochenendes nach den Selbstmorden anders. Rechtsterrorismus, rechtsextremistischer Terrorismus, neuer Neonaziterror &#8211; plötzlich fanden sich die Begriffe in allen deutschen Zeitungen. Und da haben wir sie endlich, eine Diskussion über Terrorismus, die sich nicht nur auf Islamismus konzentriert, sondern auch für rechtsextremistische Terroristen noch Platz lässt. Und in den einschlägigen islam- und ausländer&#8221;kritischen&#8221; Internetforen lese ich plötzlich, wie sich Diskutanten darüber beschweren, dass in der allgemeinen Diskussion zwischen &#8220;rechts&#8221;, &#8220;rechtsextremistisch&#8221; und &#8220;rechtsterroristisch&#8221; nicht differenziert wird &#8211; und ich denke mir, von irgendwoher kenne ich das doch.</p>
<p>Da ist sie, die Debatte, die wir seit langem brauchten.</p>
<p>Aber da ist auch noch etwas. Ein Gedanke, der mir gar nicht gefällt. Nach den Anschlägen in Norwegen kam er mir zum ersten Mal. Der Gedanke, dass es also tote Norweger (welche von uns; einen Teil der Mehrheitsgesellschaft) braucht, einen Angriff auf die sozialdemokratische Partei eines europäischen Landes (eine respektable Institution in der Mitte der Gesellschaft) und einen Anschlag in der Osloer Innenstadt (das Herz des Staates), damit wenigstens in manchen deutschen Zeitungen darüber nachgedacht wird, ob auch Rechtsextreme Terroristen sein können. Jetzt, nach der Aufdeckung des rechtsextremistischen Terrornetzwerkes, kam er mir wieder. Aber ich hab ihn schnell verdrängt, weil ich nicht verbittert werden möchte, weil ich nicht glauben kann, nicht glauben will, wie rassistisch und exkludierend wir vielleicht sind.</p>
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		<title>Migranten wollen nur den Sozialstaat ausnutzen?</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 06:40:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6822" title="Sozialstaat" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/12/Sozialstaat-145x145.jpg" alt="" width="145" height="145" />&#8220;Ausländer kommen nach Deutschland, um von unserem Sozialstaat zu profitieren und das System auszunützen&#8221; &#8211; nein, so einfach ist es nicht, zeigt <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/die-maer-von-den-faulen-auslaendern/5902026.html?p5902026=all">eine Studie</a> des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit. „Die Debatte über die Sozial-Migration geht in die Irre“, macht die Studie deutlich. „Sie beruht nicht auf empirischen Belegen.“</p>
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		<title>Türkenkinder in der U-Bahn</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 05:57:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Oder: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen Mittwochabend, das Lieschen und ich sind auf dem Weg nach Hause. Ich war den ganzen Tag auf der Arbeit und bin müde, froh,... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/11/25/turkenkinder-in-der-u-bahn/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Oder: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen</em></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/11/U-Bahn.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-6747" title="U-Bahn" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/11/U-Bahn-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mittwochabend, das Lieschen und ich sind auf dem Weg nach Hause. Ich war den ganzen Tag auf der Arbeit und bin müde, froh, dass endllich die U-Bahn kommt und ein Sitzplatz in Sichtweite ist. Im Eingangsbereich neben den Türen des U-Bahn-Waggons hockt einer, mit dem Rücken an die Trennwand gelehnt, aber irgendwie komme ich mit Lieschen, Kinderwagen und Taschen vorbei. Sitzen, endlich. Ich unterhalte mich mit dem Lieschen, nach <a href="http://www.youtube.com/watch?v=k3UOB3uA1HE&amp;feature=related" target="_blank">Bah bah black sheep</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=sov5gM_FvpY&amp;feature=related" target="_blank">One, two, three, four, five</a> will sie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZhODBFQ2-bQ" target="_blank">Five little Monkeys</a> singen, da bekomme ich aus den Augenwinkeln mit, dass der Mann, der da noch vorher an die Wand gelehnt saß, auf dem Boden liegt. Ich registriere es erst gar nicht richtig, schaue wieder weg, bis mir bewusst wird, dass da jemand auf dem Boden liegt. Mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden.</p>
<p>Ich schaue mich um. Das Abteil ist voll. Keiner scheint den Mann am Boden zu bemerken, aber es kann nicht sein, dass sie ihn nicht sehen. Der liegt da doch. Es dauert wieder eine Sekunde, bis ich weiß, was zu tun wäre. Ich schaue zu den beiden Männern, die genau zwischen mir und dem Mann am Boden stehen und frage, ob sie mal hingehen könnten und schauen, ob alles in Ordnung ist. Die beiden schauen mich an, als spräche ich Chinesisch. Der Ältere sagt nichts, reagiert nicht. Der Jüngere schüttelt, als ich meine Frage wiederhole, verneinend den Kopf. Ich schaue mich um. Keiner guckt. Sehen die nicht? Hören die nichts?</p>
<p>Ich sehe mich um, in die andere Richtung. Da stehen drei Jungs, vielleicht 16 oder 17, kleine Türken sind das oder Jugos vielleicht. Ich frage sie, ob sie mal nach dem Mann gucken wollen und plötzlich holt einer der drei sein Handy raus und sie überlegen noch, ob sie hier überhaupt eine Verbindung kriegen, da ist die Notrufnummer schon gewählt. Als ich höre, wie einer seinen Freund fragt: &#8220;Was soll ich denn da jetzt sagen? Mach du!&#8221;, übernehme ich das Telefon und ziehe die Notbremse. Während ich am Telefon die Situation erkläre, erklärt der kleine Türke dem Fahrer über die Sprechanlage, was passiert.</p>
<p>Während wir &#8211; der Zug steht in der Station &#8211; auf den Fahrer warten, kommen mehr und mehr Fahrgäste in den Wagen. Die Erleichterung, die Bahn doch noch erwischt zu haben, die kennt man &#8211; aber für einen Platz im Waggon über einen, der da am Boden liegt, steigen? Kein &#8220;Oh, was ist denn hier los? Ist alles in Ordnung? Kann ich helfen?&#8221; Der Junge, der vorhin auf meine Frage hin nur den Kopf geschüttelt hat, schaut immer noch genauso wie vorher auf die Wand gegenüber von ihm. Keiner sagt was. Der Fahrer kommt, spricht den Mann an, hilft ihm, sich aufzusetzen. Es scheint alles mehr oder weniger in Ordnung zu sein, die Fahrt geht weiter. Ich erkläre den drei Jungs noch, dass sie, wenn immer sie in einer solchen Situation sind, selbst was machen oder zumindest Hilfe holen sollen, auch wenn sie der Rest der Leute deshalb für deppert hält. Wenn der komisch liegt, vielleicht besoffen ist und sich erbricht, kann er ersticken. Dann wollt ihr nicht der gewesen sein, der auf die Frage nach Hilfe den Kopf geschüttelt hat. Die Jungs nicken, und das Lieschen und ich steigen aus.</p>
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		<title>Bushido und das Bambi</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 07:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oder: Das Land, das Deutschen einen Preis für erfolgreiche Integration in Deutschland verleiht Und das Rapper Bushido letzten Donnerstag einen Bambi für Integration bekommen hat, war ja wohl der Witz... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/11/18/bushido-und-das-bambi/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Oder: Das Land, das Deutschen einen Preis für erfolgreiche Integration in Deutschland verleiht</em></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/11/Bushido-Rapper.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-6744" title="Bushido Rapper" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/11/Bushido-Rapper-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Und das Rapper Bushido letzten Donnerstag einen Bambi für Integration bekommen hat, war ja wohl der Witz der Woche. Ich konnte es erst nich glauben, dachte, das muss ein Scherz sein. Aber es war nicht der 1. April, sondern Mitte November und irgendwelche Sockels hatten sich tatsächlich überlegt, dass es eine gute Idee wäre, Bushido mit besagtem Preis auszuzeichnen.</p>
<p>Da fragt man sich doch, was um Gottes Willen sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben. Bei einem Preis für Integration könnte man doch denken, dass er jemandem verliehen wird, der sich in besonderem, auszeichnungswürdigem Maße um Integration und den sozialen Zusammenhalt verdient gemacht hat. Inwiefern dass bei Bushido, der berühmt-berüchtigt ist für seine frauen- und schwulenfeindlichen Texte, der Fall sein soll, ist mir schleierhaft. Dass man jemanden auszeichnen möchte, der als Beispiel gelten kann, jemanden, über den man Jugendliche erreichen kann, ist schon klar. Aber Bushido &#8211; ein Vorbild? Für was? Und Integration &#8211; ist es das, was ihr sagen wollt &#8211; heißt, erfolgreich zu sein, egal wie man zu diesem Erfolg kommt, auch wenn man auf dem Weg zum Erfolg pöbelt, beleidigt und verbal austeilt, wo es nur geht? Und der Spruch, dass jeder &#8220;eine zweite Chance&#8221; verdient habe, passt in dem Zusammenhang mal überhaupt nicht. Zweite Chance? Klar. Aber gleich einen Bambi?</p>
<p>Davon abgesehen, ist überhaupt irgendeinem aufgefallen, dass diese Preisvergabe nicht nur vollkommend unpassend, sondern zudem auch noch durch und durch rassistisch war? Hallo, da wurde ein Preis für Integration verliehen &#8211; an einen <strong>deutschen</strong> Rapper, der in Deutschland als Sohn einer <strong>deutschen Mutter</strong> geboren wurde, dessen (alleinige) Muttersprache<strong> Deutsch</strong> ist, der nie woanders als in <strong>Deutschland</strong> gelebt und gearbeitet hat. Warum kriegt er den Preis? Weil sein Vater (mit dem er die ersten zwei oder drei Jahre seines Lebens verbracht und danach keinen Kontakt mehr hatte) Tunesier ist? Weil er mit bürgerlichem Namen nicht Paul Würdig sondern Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt? Weil er nicht blond und blauäugig ist, sondern aussieht wie ein Kanake? An den Kopf geschmissen hätte ich es ihnen, ihr doofes Reh. In Frankreich, Großbritannien oder den USA wäre Bushido unfraglich Franzose, Brite, US-Amerikaner und jeder, der was anderes behauptet, mal so was von out. Und bei uns? Es muss noch viel passieren, Deutschland, es muss echt noch viel passieren.</p>
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		<title>Das vergessene Blutbad von Paris</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 09:18:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wann gab es zum letzten Mal Blutlachen in Paris, Leichen in der Seine, Berge von Toten auf den Strassen der franzoesischen Hauptstadt? Vor siebzig Jahren, also irgendwann in den 1940ern... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/10/26/das-vergessene-blutbad-von-paris/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wann gab es zum letzten Mal Blutlachen in Paris, Leichen in der Seine,  Berge von Toten auf den Strassen der franzoesischen Hauptstadt? Vor  siebzig Jahren, also irgendwann in den 1940ern waehrend des Weltkriegs?  Vor mehr als 200 Jahren, waehrend und nach der Franzoesischen  Revolution?</p>
<p><strong>Vor fuenfzig Jahren</strong></p>
<p><a href="http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/23701/das_verschwiegene_blutbad_von_paris.html"></a><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/10/Blutbad-in-Frankreich.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-6596" title="Blutbad in Frankreich" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/10/Blutbad-in-Frankreich-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Fuenfzig Jahre und fuenfzig Tage ist es her, seit am 17. Oktober 1961 das groesste durch eine  Staatsmacht in Westeuropa veruebte Massaker nach dem ZWeiten Weltkrieg  begangen wurde. Eine Demonstration von 30.000 Algeriern fuer die  Unabhaengigkeit ihrer Heimat und gegen die gegen sie gerichteten  Repressionen durch den franzoesischen Staat endete toedlich. Bilanz:  Zwischen 50 und 300 Tote, unzaehlige Verletzte, mehr als 10.000  Algerier, die noch ueber Tage in Pariser Sportstadien kaserniert wurden,  und ein Pariser Praefekt, der erklaerte, die Polizei habe getan, was zu  tun gewesen sei. Noch Wochen spaeter wurden Leichen aus der Seine  gefischt.</p>
<p><strong>Totgeschwiegen</strong></p>
<p>In der  nationalen Presse hingegen war von drei Toten die Rede; die  schockierenden Bilder von Toten und Verletzten wollte bis auf ein  unbedeutendes christliches Blatt keine Zeitung drucken. Bis in die  Neunziger wurde sich ueber das Thema weitgehend ausgeschwiegen,  kritische Filme und Buecher zum Thema verboten oder, spaeter, von der  Oeffentlichkeit weitgehend nicht beachtet. Erst 2001, vierzig Jahre  spaeter, wurde durch den Buergermeister von Paris eine Gedenktafel  eingeweiht &#8211; die konservative Opposition im Stadtrat protestierte mit  einem Boykott der Veranstaltung.</p>
<p><strong>Eine Geschichte</strong></p>
<p>Und  so ist die Geschichte, von dem, was damals, an diesem 17. Oktober vor  fuenfzig Jahren in Paris geschah, eine Geschichte von Rassismus und  Gewalt; von Zivilisten, die zwischen die Fronten geraten; vom Krieg in  Nordafrika, der sich einen Weg nach Westeuropa bahnt und von der  Weigerung eines Staates, sich seiner Vergangenheit zu stellen.</p>
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		<title>Das Aggro-Wort zum Sonntag (7)</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/10/09/das-aggro-wort-zum-sonntag-7/</link>
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		<pubDate>Sun, 09 Oct 2011 16:03:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Analyse gesellschaftlicher Phänomene Religion, Kultur und Politik zu trennen, ist oft nicht einfach, schließlich überlappen und beeinflussen sich diese einzelnen Bereiche gesellschaftlichen Lebens teils erheblich. Wenn es nicht... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/10/09/das-aggro-wort-zum-sonntag-7/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/AggroWort.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-5856" title="AggroWort" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/AggroWort-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In der Analyse gesellschaftlicher Phänomene Religion, Kultur und Politik  zu trennen, ist oft nicht einfach, schließlich überlappen und  beeinflussen sich diese einzelnen Bereiche gesellschaftlichen Lebens  teils erheblich. Wenn es nicht um die eigene, sondern eine fremde  Gesellschaft oder (Sub)kultur geht, ist das Auseinanderklamüsern von  Religion, Kultur und Politik verständlicherweise noch ein Stück  schwerer. So kommt es, dass ein ägyptischer Student, der noch nie in  Europa war, glaubt, dass die Kreuzzüge im Mittelalter einem  Wesensmerkmal des Christentums geschuldet waren &#8230; oder dass man an  einer britischen Universität darüber diskutiert, ob bei dieser oder  jener Frage auch religiöse Faktoren eine Rolle spielen und also der  Konfuzianismus entscheidend ist &#8211; bis sich einer der chinesischen  Studenten in der Gruppe zu Wort meldet und meint, Konfuzianismus sei  doch gar keine Religion.</p>
<p>Alles eine Sauce?</p>
<p>Und  genauso sind, wenn man so mancher Zeitung hier in Deutschland glaubt,  Taliban-Islam, saudischer Islam, türkischer Islam, afrikanischer Islam,  europäischer Islam, Pierre Vogel-Islam, Islamismus, Sufismus alles so  ziemlich das gleiche. Oder vielleicht doch nicht. Aber sich die Mühe,  genau hinzuschauen, und zu gucken, was, das dort passiert, ist auf die  Kultur zurückzuführen, wo geht es um Religion und wo steht Politik im  Vordergrund, die machen sich viele nicht. Teils fehlt es einfach an  Wissen über die gesellschaftlichen Bedingungen in dem Land, der  Religion, die man sich anschaut. Das ist nichts Neues, aber es wurde  mir, als ich auf dieses Zitat von <a href="hhttp://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Royttp://">Olivier Roy</a> zum Widerspruch zwischen Stammeskultur und islamischen Grundsätzen in Afghanistan stieß, mal wieder deutlich:</p>
<p>Stammeskultur und Islam in Afghanistan</p>
<p>&#8220;The tribal code and Muslim law are in opposition. Adultery (zina<em>) should, according to the Shari&#8217;at, require four witnesses if it is to be proven; for the</em> Pashtunwali<em>, hearsay (</em>peghor<em>)  is sufficient, for what is at stake is honor (one&#8217;s self-image) and not  morality (defined by the Shar&#8217;iat as what is permitted as opposed to  what is not). Women in the tribes are not allowed to inherit property,  for what would contradict the principle of strict patrilineage, which is  the very basis of the tribal system; while the Qur&#8217;an grants to women  half the share of the male. The dowry, a sign of prestige, frequently  exceeds the milits set by the Shari&#8217;at, while, on the other hand, the  repudiation of a wife by her husband, something which, according to the  Qur&#8217;an, presents no difficulties, is practically impossible in the  tribes, for that would be an insult to the wife&#8217;s family. Vengeance (</em>badal<em>) is commended within the tribal code, while the Shari&#8217;at attempts to limit the occasions on which it can take place.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em>Olivier  Roy: Islam and Resistance in Afghanistan. Cambridge: Cambridge  University Press, 1990, S. 35 &#8211; 36. Zitiert in Valentine Moghadam:  Modernizing Women. Gender and Social Change in the Middle East. Boulder /  London: Lynne Rienner, 2003.</p>
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		<title>Firas: Klischees zertrümmern</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/08/29/firas-klischees-zertrummern/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 10:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Erfolgreiche Migranten]]></category>
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		<description><![CDATA[Firas stammt aus dem Iran. Er ist in [Stadt im Iran] geboren, kam aber schon als Kind nach Deutschland. Er litt an einer seltenen Atemswegserkrankung, die im Iran nicht behandelt... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/08/29/firas-klischees-zertrummern/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/Bahai-Tempel.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-6213" title="Bahai Tempel" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/Bahai-Tempel-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Firas stammt aus dem Iran. Er ist in [Stadt im Iran] geboren, kam aber schon als Kind nach Deutschland. Er litt an einer seltenen Atemswegserkrankung, die im Iran nicht behandelt werden konnte. Oder vielleicht schon &#8211; aber die Chancen als Bahai im Iran adaequate medizinische Betreuung zu erhalten, waren gering. Was tun? Als sich die Moeglichkeit auftat, zur Behandlung nach Deutschland zu gehen, zoegerten seine Eltern nicht lange. Zwar wussten sie nicht, was in dem fremden Land auf sie wartete, aber dass das ihre Chance war, waren ihnen klar. Firas wuerde behandelt werden koennen und vielleicht bestuende auch die Moeglichkeit, zu bleiben. In Deutschland wuerde ihr Sohn Moeglichkeiten haben, von der der Grossteil der Iraner nur traeumen konnten. Er wuerde, ohne Steine in den Weg gelegt zu bekommen, studieren koennen. Ein normales Leben fuehren.</p>
<p><strong>&#8220;Damit werdet ihr gehen koennen&#8221; </strong></p>
<p>Dass die Familie die medizinisch notwendige Reise womoeglich zur Auswanderung nutzen koennte, war auch den iranischen Behoerden klar. Zur Absicherung verlangten sie die Zahlung eines Pfandes. Das Geld hatten Firas&#8217; Eltern nicht und der Traum von der geplanten Ausreise schien vor ihren Augen zu platzen. Bis Firas&#8217; Onkel seinem Vater die Besitzurkunde seines Hauses in die Hand drueckte: &#8220;Da nimm, damit werdet ihr gehen koennen&#8221;. Firas&#8217; Vater wies das Dokument von sich: &#8220;Spinnst du? Nimm das zurueck! Du weisst doch genau, dass wir zu 95 Prozent nicht zurueckkommen werden. Willst du dein Haus verlieren?&#8221; Firas&#8217; Onkel liess nicht nach, die Urkunde wurde bei der iranischen Behoerde hinterlegt und einige Wochen spaeter machten Firas und seine Eltern sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.</p>
<p><strong>Sie sind nicht wieder zurueck gekommen </strong></p>
<p>Sie sind nicht wieder zurueck gekommen. Fuer Firas&#8217; Eltern war es nicht leicht, die fremde Sprache, ein neues Land. Ihre Ausbildungen wurden in Deutschland nicht anerkannt und die Jobs, die sie hier in Deutschland haben, haetten sie im Iran im Traum nicht gemacht. Wenn ich sie heute fragen wuerde, ob sie es bereut haben, damals hierher gekommen zu sein, wuerden sie die Frage wahrscheinlich trotzdem verneinen. Sie sind nicht fuer sich, sondern wegen ihres Sohnes nach Deutschland gekommen. Um ihm die medizinische Behandlung und die Zukunft zu ermoeglichen, die ihm im Iran verwehrt geblieben waeren.</p>
<p><strong>Ein deutscher iranischer arabophoner Bahai </strong></p>
<p>Firas wuchs in Deutschland auf, spricht, schreibt, denkt heute auf Deutsch. Seine Verbindung zu der Region, aus der er stammt, ist nie abgebrochen. Waehrend des Studiums legte er Auslandssemester in drei Laendern im Nahen Osten ein, lernte Tuerkisch und Arabisch und schrieb seine Abschlussarbeit an der Uni zum politischen Islam. Dass er kein Muslim ist, verstehen, wenn er dort unterwegs ist, viele der Menschen im Nahen Osten nicht: &#8220;Aber du siehst doch aus wie einer von uns! Du sprichst doch Arabisch!&#8221; Sein Studium hat er seit einer Weile abgeschlossen und seitdem einen Job an einer US-amerikanischen Uni als Dozent in Islamwissenschaften angeboten bekommen. &#8220;Da freu ich mich schon drauf&#8221;, schmunzelt er, &#8220;schoen ein bisschen Klischees zertruemmern&#8221;.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Rubina: &#8220;Ich bin nicht extremistisch&#8221;</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/08/26/rubina-ich-bin-nicht-extremistisch/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 10:27:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man sieht sie immer wieder in London, die Frauen mit Niqab. Vor allem natuerlich in den Stadtvierteln, in denen der Grossteil der Londoner Muslime lebt. Das ist vor allem im... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/08/26/rubina-ich-bin-nicht-extremistisch/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man sieht sie immer wieder in London, die Frauen mit Niqab. Vor allem natuerlich in den Stadtvierteln, in denen der Grossteil der Londoner Muslime lebt. Das ist vor allem im Osten, aber teilweise auch im Norden und Sueden der Stadt. Aber auch im Westen laufen einem immer wieder Frauen mit Gesichtschleier ueber den Weg &#8211; beim Shoppen auf der Einkaufsstrasse Oxford Street oder in einem der grossen Londoner Parks.</p>
<p><strong>Mit Niqab in London unterwegs </strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/Niqab-Rubina.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-6211" title="Niqab Rubina" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/Niqab-Rubina-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie es fuer sie ist, mit Niqab in London unterwegs zu sein, frage ich meine Kommilitonin Rubina. &#8220;Oh&#8221;, meint sie, &#8220;ich bin in Ostlondon gross geworden &#8211; von daher war das nie ein Problem&#8221;. Ja, hat sie denn gar keine schlechten Erfahrungen gemacht? Kam nie ein bloeder Spruch? Schiefe Blicke? &#8220;Ja, Blicke vielleicht&#8221;, sagt Rubina, &#8220;aber sonst?&#8221; Und dann faellt ihr doch ein, wie sie einmal auf der Strasse als &#8220;Briefkasten&#8221; beschimpft wurde. &#8220;Das war schlimm&#8221;, meint sie &#8211; nicht so sehr wegen der Beleidigung, sondern, wie sie mit einem Laecheln hinzufuegt, weil sie so gerne etwas zurueckgerufen haette (&#8220;ist ja nicht so, dass ich dazu nichts zu sagen gehabt haette&#8221;), sich aber gleichzeitig an den islamischen Grundsatz, dass der Kluegere nachgibt, halten wollte.</p>
<p><strong>Heiratsantrag per E-Mail </strong></p>
<p>Vor anderthalb Jahren, mit 20, hat Rubina geheiratet. Ihren Mann hat sie in einem Kurs zu islamischem Recht kennen gelernt, an dem sie teilgenommen hat und den er unterrichtete. Sie hatte eine Frage, stellte sie ihm per E-Mail und sie schrieben sich eine Weile hin und her. Als das Ganze offizieller wurde, unterstuetzte ihre Familie sie sehr. &#8220;Mit seiner Mutter war das schon schwieriger&#8221;, erklaert Rubina, &#8220;wir stammen zwar auch aus [Land in Suedasien], kommen aber aus einem anderen Teil des Landes &#8211; das wollte sie nicht&#8221;. Nach einer Weile gab seine Mutter ihnen doch ihren Segen.</p>
<p><strong>Kinder nicht vor 30 </strong></p>
<p>&#8220;Ich wollte eigentlich nie heiraten&#8221;, sagt Rubina, &#8220;und Kinder kriegen erst recht nicht&#8221;. Das will sie immer noch nicht. Jedenfalls nicht vor 30. Wenn sie ihr Studium hinter sich gebracht und ein paar Jahre studiert hat, dann &#8211; ja, vielleicht. &#8220;Und was sagt dein Mann dazu?&#8221;, frage ich sie mit grossen Augen, weil ich mir nicht so Recht vorstellen kann, dass ein [suedasiatischer] religioeser Mann seines Alters (er ist jetzt 27) keine Kinder haben moechte. Rubina lacht: &#8220;Der hat nur gemeint: &#8216;Gut Schatz, wenn du das willst, machen wir das so&#8217;&#8221;.</p>
<p><strong>Kulturelle Unterschiede </strong></p>
<p>Zurzeit leben die beiden bei seiner Mutter. Das ist nicht leicht fuer Rubina, die sich nie haette denken koennen, bei ihrer Schwiegerfamilie zu leben, und die kulturellen Unterschiede sind beachtlich, aber so lange sowohl ihr Mann als auch sie noch Studenten sind, koennen sie sich eine eigene Wohnung nicht leisten. Wie Rubina hat auch ihr Mann erst spaeter mit seinem Studium der Medizin, das er zurzeit absolviert, begonnen. Vorher hat er islamische Theologie studiert, erst an einer englischen Schule, dann an der Al-Azhar in Kairo.</p>
<p><strong>&#8220;Ich bin nicht extremistisch&#8221; </strong></p>
<p>&#8220;Was mich am meisten stoert&#8221;, sagt Rubina, &#8220;ist wenn die Leute denken, weil ich Niqab trage, bin ich Extremistin. Das ist nicht so. Ich bin nicht radikal, ich bin nicht extrem, ich bin keine Salafistin oder was-weiss-ich. Ich mache das, weil ich es moechte und weil es mir wichtig ist, aber nicht, weil ich extremistisch bin oder denke, dass alle, die kein Kopftuch oder keinen Niqab tragen, schlechte Menschen sind. Ich bin nicht extremistisch oder so.&#8221;</p>
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		<title>Deniz: Wie aus einer anderen Zeit</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 12:25:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Rechtsextrem]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oder: Wie aus einer anderen Zeit</strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/Strassenmusiker.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6178" title="Strassenmusiker" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/Strassenmusiker-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es war ein Nachmittag im Juli und das Lieschen und ich waren in der <em>[Stadt in Deutschland]</em>er Fussgaengerzone unterwegs. Schon von Weitem hoerten wir die Musik und in einer Einkaufspassage standen sie: ein Geiger, ein Tubist und drei Akkordeonspieler, eine Gruppe aus Russland, um die sich eine Gruppe von begeisterten Passanten sammelten. Klassische Musik, die mit einem Ausdruck und einer Staerke gespielt wurden, wie man es nicht oft zu hoeren bekommt. Unter den Zuschauern fiel er mir schon gleich zu Beginn auf: heller Strohhut auf grauem Haar, ein leichter beiger Mantel ueber dem dunkelblauen Dreiteiler, apart sah er aus, wie aus einer anderen Zeit.</p>
<p><strong>&#8220;Efendim?&#8221;</strong></p>
<p>Als ich ihn anspreche und frage, ob er wuesste, was die Gruppe spiele, versteht er mich nicht und nach dem zweiten Nachfragen meint er dann: &#8220;efendim?&#8221;. &#8220;Na toll, der denkt, dass ich Tuerkin bin und mein Deutsch so miserabel ist, dass er seine Sprachkenntnisse aus dem letzten Tuerkeiurlaub herauskramen muss&#8221;, denke ich mir, aber dann meint die Frau neben ihm, weisshaarig, dass das Verdi sein muesste &#8211; oder doch Mozart?</p>
<p><strong>Deutschtuerkisch</strong></p>
<p>Jetzt sieht er mich an und fragt mich, ob ich Deutsche sei. Ich bejahe und tue das, was ich immer mache, wenn mir jemand diese Frage nach meiner Herkunft stellt: Ich frage ihn, woher er kommt. Als er &#8220;ich bin Tuerke&#8221; anwortet, kann ich es erst gar nicht glauben. Er spricht perfektes Deutsch, drueckt sich so gewaehlt, so geschliffen aus, wie ich es von vielen Muttersprachlern nicht kenne und hat zwar einen ganz zarten Akzent &#8211; aber typisch Tuerkisch ist der nicht. Er habe in Aachen Maschinenbau studiert und dann jahrelang als Ingenieur gearbeitet.</p>
<p><strong>Kinderfragen</strong></p>
<p>Er nickt Richtung Lieschen und fragt, ob ich nur ein Kind habe. Ich sage das, was ich immer sage, wenn mir jemand diese Frage stellt: &#8220;Ja, und das reicht auch erst mal, eins ist wirklich mehr als genug zurzeit&#8221;. Er widerspricht mir. Nein, er sei Einzelkind gewesen und sein Sohn auch, und er habe sich immer eine Schwester gewuenscht. Seinem Sohn haette es auch gut getan, noch jemanden zum Spielen zu haben. 30 sei sein Sohn in der Zwischenzeit, ein ganz toller Kerl. Einen 1,2er-Durchschnitt habe er im Abi gehabt, dann Informatik studiert, spiele Geige und Klavier und spreche fuenf Sprachen (&#8220;ausser Deutsch natuerlich&#8221;): Englisch, Franzoesisch, Spanisch, Latein (&#8220;Latein kann er auch sehr gut&#8221;) und Tuerkisch. Ausserdem sei er Schachmeister.</p>
<p><strong>Tuerkischer Vater, rechtsradikaler Stiefsohn</strong></p>
<p>Er sei, erzaehlt der Mann, mit einer Deutschen verheiratet gewesen. Die Ehe sei jedoch vor einiger Zeit geschieden worden. Seine Frau habe einen Sohn mit in die Ehe gebracht, der dann &#8220;leider rechtsradikalen Tendenzen unterlegen ist. Das gab Reibungen in der Ehe und war mit einer der Hauptgruende fuer unsere Trennung.&#8221; Er deutet an, dass es zu Handgreiflichkeiten kam und merkt an, dass sein Sohn und er bis heute an dieser Geschichte litten. Der Mann mit Strohhut und im blauen Anzug, der klassische Musik so gerne mochte, war also nicht nur Tuerke, sondern hatte zudem noch einen rechtsradikalen Stiefsohn? Ich konnte es nicht glauben und bemuehte mich, mein Staunen darueber, was fuer Geschichten das Leben schreibt, waehrend er weiter erzaehlte, zu verbergen.</p>
<p><strong>&#8220;Mit engen Verbindungen zum letzten Sultan&#8221;</strong></p>
<p>Schachmeister sei nicht nur sein Sohn sondern auch sein Vater gewesen, erzaehlt der Mann im blauen Anzug weiter. Medizin und Philosophie habe der studiert, damals in den 1920ern im Osmanischen Reich (&#8220;das Osmanische Reich, das kennen Sie doch?&#8221;), Geige und Klavier gespielt, komponiert, Gedichte geschrieben (&#8220;ueber 600&#8243;) und acht Theaterstuecke verfasst (&#8220;vier davon aufgefuehrt&#8221;). Sechs Jahre sei er mit <em>Agnieszka</em> verlobt gewesen, die die Tochter aus einer Ehe zwischen einer polnischen Adeligen und dem Oberbefehlshaber der osmanischen Armee (&#8220;mit engen Beziehungen zum letzten Sultan und dem Koenigshaus&#8221;) war.</p>
<p><strong>Heirat mit einem polnischen Adeligen</strong></p>
<p><em>Agnieszka</em> hatte in Warschau und Budapest Klavier und Geige studiert. Die Verbindung zwischen ihr und dem Vater des Mannes im blauen Anzug musste geheim bleiben (&#8220;ihre Mutter ahnte vielleicht, was dort vor sich ging, aber offiziell war das nicht&#8221;), bis sie schliesslich nach sechs Jahren erklaerten, dass sie heiraten wollten. Drei Wochen vor der geplanten Hochzeit eroeffnete die Mutter ihrer Tochter dann, dass sie nach Warschau zu reisen habe. Auf ihre Nachfrage, erklaerte sie ihr, dass sie dort einen polnischen Adeligen heiraten werde. <em>Agnieszka</em> widersprach, erklaerte, dass sie sie ihren Verlobten heiraten wollte, verweigerte Essen und Trinken &#8211; aber nichts half, sie musste nach Warschau und wurde dort verheiratet.</p>
<p><strong>Istanbul Love Story</strong></p>
<p>Vier Wochen spaeter war sie wieder in Istanbul, weggelaufen von einem Mann, mit dem sie nicht leben wollte, zurueckgekommen zu dem Mann, mit dem sie ihr Leben teilen wollte. Die Mutter tobte, drohte ihr mit Enterbung und dem Entzug aller Titel &#8211; was <em>Agnieszka</em> nicht kuemmerte &#8211; letztendlich setzte die Mutter sich durch, sie schickte ihre Tochter zurueck nach Warschau. Dreieinhalb Monate spaeter war die junge Frau wieder in Istanbul. Dieses Mal liess die Mutter sie mit Gewalt zurueck zu ihrem Mann bringen (&#8220;von drei Maennern, die sie trugen&#8221;). Sein Vater, so erzaehlte der Mann im blauen Anzug, hat danach nie wieder etwas von <em>Agnieszka</em> gehoert.</p>
<p><strong>Ein Kind</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong>Er sei, so der Mann, danach in eine tiefe Depression gefallen. Zwei Jahre lang wollte sein Vater nichts und niemanden sehen, Hunderte von Gedichten und Musikstuecken habe er in der Zeit verfasst, immer mit der gleichen Widmung: <em>Fuer Agnieszka</em>. Eine befreundete Familie schlug seinen Eltern schliesslich vor, ihn mit ihrer Tochter zu verheiraten. Er lehnte ab, meinte, dass keine so schoen und gebildet wie Agnieszka sein wuerde. Die Hochzeit kam schliesslich doch zu stande, trotz der erheblichen Standesunterschiede, wie der Mann im blauen Anzug erklaerte, &#8220;die Frau hatte nur die Realschule abgeschlossen&#8221;. Ein Kind ging aus der Ehe hervor, dass war er. Aber als er nur drei Monate alt war, wurde die Ehe geschieden, und er wuchs bei den Eltern seines Vaters auf.</p>
<p><strong>Auf Wiedersehen</strong></p>
<p>Ploetzlich stoppt die Musik, die vier russischen Musiker haben aufgehoert zu spielen. Die Frau, in deren Begleitung der Mann im blauen Anzug in die Passage gekommen war, kommt auf uns zu. Mit einem Laecheln streckt sie mir ihre Hand entgegen und stellt sich als <em>Irena</em> vor. Jetzt hoerte ich auch bei ihr einen ganz zarten Akzent heraus. Als ich ihr meinen Namen sage, moechte sie wissen, was er bedeutet. Ich erklaere es ihr, und dann entsteht eine kleine Pause. Ich sehe zu dem Mann im blauen Anzug und frage ihn, wie er heisst: <em>Deniz</em>. Ich laechele, er laechelt, und zum Abschied schuetteln wir uns die Hand. Sie wuenschen mir alles Gute, ich ihnen auch, dann drehen sie sich weg, sie hakt sich bei ihm ein und sie verschwinden in der Masse der Menschen, die an diesem Julinachmittag in der Einkaufsstrasse in <em>[Stadt in Deutschland]</em> unterwegs sind.</p>
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		<title>Ein Tag im Ramadan</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 07:55:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Elf oder zwölf war es als ich am Abend zuvor ins Bett bin, und um drei klingelt wieder mein Wecker. Die Zeit für das Morgengebet beginnt anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang, und 10, 15, 20, 30 Minuten davor sollte man mit dem Fasten beginnen. Das heißt: kein Essen und Trinken mehr ab halb vier.</p>
<p><strong>Frühstück vor dem Fasten </strong></p>
<p>Das Frühstück vor Fastenbeginn ist sehr empfohlen. Als ich neu dabei war, habe ich ohne morgens noch etwas zu essen gefastet (weil mir das Schlafen wichtiger war) und als ich es dann doch einmal ausprobiert war, konnte ich es kaum glauben, wieviel leichter das Fasten mit suhur, wie man diese letzte Mahlzeit vor Fastenbeginn auf Arabisch nennt, war. In vielen muslimischen Haushalten steht die ganze Familie mitten in der Nacht auf, frühstückt ausgiebig und bleibt dann gleich zum Beten wach.</p>
<p><strong>Die Kurzversion </strong></p>
<p>Ich muss am nächsten Morgen früh raus und habe mich deshalb für die Kurzversion entschieden: Wecker klingelt um drei, ich stehe gar nichts erst auf, sondern bleibe im Bett, Sandwich und eine Flasche Mineralwasser stehen schon seit gestern Abend auf dem Nachttisch. Als ich aus dem Fenster sehe, ist draußen alles dunkel, nur in zwei der Häuser ist Licht &#8211; in der Küche. Das müssen auch Muslime sein &#8211; welcher normale Mensch sitzt schon nachts um drei vor gedecktem Küchentisch? Sandwich, Wasser - und fünf, zehn Minuten später schlafe ich weiter. Um fünf klingelt der Wecker noch mal, kurz vor der Ende der Gebetszeit. Diesmal stehe ich auf, gehe runter ins Bad zur Gebetswaschung und bete dann auf meinem kleinen Gebetsteppich das Morgengebet.</p>
<p><strong>Weniger zu tragen </strong></p>
<p>Dann wieder ins Bett bis sieben oder acht, als die Nacht zu Ende ist. Für gewöhnlich nehme ich an die Uni außer meiner Tasche mit den Büchern und was zum Schreiben eine zweite Tasche mit Mittagsessen, Frühnachmittags- und Spätnachmittagssnack und was zum Trinken mit. Netter Nebeneffekt von Ramadan: die Tasche mit dem Essen kann ich mir sparen und habe nicht ganz so viel zum Rumschleppen. Nur dass ich trotzdem eine Flasche Wasser dabei habe, falls das Lieschen unterwegs was trinken will, darauf muss ich aufpassen.</p>
<p><strong>Ein ganz normaler Tag </strong></p>
<p>Der Rest des Tages läuft relativ normal ab, Lieschen in den Kindergarten, Mama an die Uni, wenn man den ganzen Tag beschäftigt ist, kriegt man fast nichts mit vom Fasten. Nur zwischendurch, vor allem am Nachmittag merke ich, dass es bald wieder Zeit wird, etwas zu essen. Ich nehme mir mehr Zeit zum Betenund versuche zu den nervigen Studenten in der Bibliothek ein bisschen freundlicher zu sein, aber ansonsten läuft alles ganz normal. Am späten Nachmittag hole ich das Lieschen aus dem Kindergarten ab und bringe sie zu ihrem Babysitter. <em>Sana</em>, die Tochter der Familie, die das Lieschen babysittet, fastet heute nicht. Sie hat es die ersten Tage probiert, aber ihr ist so schlecht geworden, dass sie es lieber abgebrochen hat. Es war sehr heiß in den ersten drei Tagen des Ramadans, vielleicht lag es daran.</p>
<p><strong>18 Stunden </strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/ramadan.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6152" title="ramadan" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/ramadan-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Mein Deutschunterricht läuft wie immer, ich bin so drin im Unterrichten, dass ich gar nicht merke, dass ich in der Zwischenzeit seit über 17 Stunden nichts mehr gegessen oder getrunken habe. Von meinen Schülern weiß &#8211; und merkt &#8211; keiner, dass ich faste. Das Wasser, das wie immer auf dem Tisch, um den wir sitzen, steht, rühre ich nicht an, aber das fällt nicht weiter auf. Die Stunde geht bis um halb und um vier nach halb ist die Zeit für das Fastenbrechen. Die Sonne ist untergegangen. Ich mache pünktlich Schluss und lasse mir dann besonders viel Zeit beim Einpacken meiner Sachen. So bin ich die Letzte und als alle draußen sind und ich mich vergewissert habe, dass die Putzfrau erst einmal in die anderen Räume schaut, setze ich mich und breche mit einem Glas Wasser mein Fasten.</p>
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		<title>Was ist da los in London?</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/08/12/was-ist-da-los-in-london/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 12:06:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer randaliert da in London? Sind es, wie viele Lokalpolitiker, Sozialarbeiter und Vertreter lokaler NGOs meinen, junge Leute aus einkommensschwachen Vierteln, die am Rande der Gesellschaft leben und deren Interessen... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/08/12/was-ist-da-los-in-london/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer randaliert da in London?</p>
<p></strong>Sind es, wie viele Lokalpolitiker, Sozialarbeiter und  Vertreter lokaler NGOs meinen, junge Leute aus einkommensschwachen  Vierteln, die <a href="http://www.greenleft.org.au/node/48439">am Rande der Gesellschaft</a> leben und deren Interessen schon <a href="http://freedomtodiscuss.com/2011/08/shocked-disappointed-but-not-surprised/">seit Jahrzehnten missachtet</a> werden? Oder sind es, wie viele Politiker auf nationaler Ebene uns erklären, <a href="http://www.bbc.co.uk/news/uk-14458424">Kleinkriminelle</a> und Verbrecher, denen es nicht um möglicherweise gerechtfertigte  Proteste gegenüber sozialen Missständen geht, sondern die zum Plündern  auf die Straße gehen? Es sieht so aus, als sei der gewaltfreie Protest  gegen den Tod Mark Duggans und das Vorgehen der Polizei aus dem Ruder  gelaufen und in Plünderungen und reine Lust an der Gewalt übergegangen.  Aber einig ist man sich darüber nicht und vielleicht fehlt es dafür  einfach noch an detaillierten Informationen darüber, was dort eigentlich  geschehen ist, wer beteiligt war, wie es anfing und wie weiter ging.</p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/London-Krawall.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6117" title="London Krawall" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/08/London-Krawall-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Eins scheint klar zu sein: Jung sind sie, die Randalierer. Kaum  einer auf den Bildern sieht älter aus als 30, 35; viele Teenager sind zu  sehen; laut den Medien wurden selbst Zehnjährige von Londoner  Polizeibeamten in Gewahrsam genommen. Für diese kommt bestimmt auch noch  der Abenteuerfaktor mit hinzu: Mann, ist es aufregend, hier durchs  Viertel zu rennen, da Steine schmeißen, hier Katz und Maus mit der  Polizei spielen, dort nen Fernseher mitnehmen&#8230;</p>
<p>Lange ist es nicht her, dass wir hier in London <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/2010_UK_student_protests">Studentenproteste</a>, die teilweise auch in Gewalt ausuferten, hatten. Vor der Hochzeit von William und Kate wurden Stimmen von <a href="http://www.thisislondon.co.uk/standard/article-23939865-anarchists-plot-to-wreck-prince-william-and-kate-middletons-wedding-celebration.do">extrem links</a> laut, die ankündigten, die Veranstaltungen gewaltsam zu stören, die  Vertreter der Königsfamilie und die sie schützenden Polizeibeamten  attackieren zu wollen. Es gibt hier Leute, die ganz abgesehen von  sozialer Ungleichheit und kleinkriminellen Machenschaften aus  ideologischen Gründen protestieren und, ja, auch randalieren.</p>
<p><strong>Wer randaliert nicht? </strong></p>
<p>Der Großteil der Londoner, fast alle hier. Die meisten hier sind  erschüttert und können nicht glauben, was dort passiert. Von den Fotos  und Filmaufnahmen der Ausschreitungen zu schließen, scheint unter den  Randaliern keine ethnische Gruppe zu dominieren. Viele junge black British sind  auf den Bildern zu sehen, aber auch &#8220;Weiße&#8221;. Junge Männer und Frauen.  Gleichzeitig machen Geschichten von Nachbarn, die sich den Plünderern  und Randalierern entgegen gestellt haben, die Runde. Wie zum Beispiel  die <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/crime/8691761/London-riots-residents-fight-back.html">türkischen Ladenbesitzer</a> von Dalston, die ihre Läden selbst beschützen; die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=BNmQBx2WyN0">Frau aus der Karibik</a>,  die dem Mob entgegen schreit, was sie von ihnen hält; oder auch die  bengalischen und somalischen Muslime in der East London Mosque. In  Hackney setzten Muslime und Christen ein <a href="http://twitpic.com/63csok">Zeichen gegen die Gewalt</a>.</p>
<p><strong>Was ist mit Facebook, Twitter und BBM? </strong></p>
<p>Anders als noch bei den Ausschreitungen in den Pariser Vorstädten  2005, als soziale Netzwerkseiten wie zum Beispiel Facebook noch in den  Kinderschuhen stecken, läuft jetzt ein Großteil der Kommunikation über  das, was dort passiert in London und im Rest des Landes, über Facebook,  Twitter und andere Webseiten. Natürlich eröffnen schon bald Spaßvögel  Facebook-Gruppen wie &#8220;<a href="https://www.facebook.com/pages/They-cant-blame-Muslims-for-the-riots-Were-all-at-home-stuffing-our-faces/255824891102599">They can&#8217;t blame Muslim for the riots. We&#8217;re all at home stuffing our faces</a>&#8221; (es ist ja immer noch Ramadan), &#8220;<a href="https://www.facebook.com/YouthofLondon">Youth of the Middle East rise for freedom, youth of London rise for a 42” tv</a>&#8220;, &#8220;<a href="https://www.facebook.com/pages/Nandos-Defence-League-NDL/214750535219798?ref=pb">Nando&#8217;s Defence League</a>&#8221; (eine Anspielung auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/English_Defence_League">English Defence League</a>; Nando&#8217;s ist ein beliebtes Fastfoodrestaurant), &#8220;<a href="https://www.facebook.com/pages/The-awkward-moment-when-Afghanistan-is-safer-than-London/245264248830186">The awkward moment when Afghanistan is safer than London</a>&#8221; oder erklären über Kommentare, dass sie glauben, &#8220;if it was muslims, the headline would have been terrorists attack Tottenham!&#8221;. Aber  es gibt auch Gruppen wie diese: &#8220;Fuck rioting! Let&#8217;s trash some  mosques&#8221; (die verlink ich nicht &#8211; wird hoffentlich sowieso bald wieder  gelöscht). BBM macht es den Randalierern leicht, sich schnell  abzustimmen und auf Polizeibewegungen zu reagieren &#8211; noch leichter als  damals in Paris, als &#8220;nur&#8221; gewöhnliche Handys herhalten mussten.</p>
<p><strong>Wie ist die Situation zurzeit? </strong></p>
<p>In London sieht die Lage je nach Viertel sehr unterschiedlich aus.  Auf dem Fernsehschirm zu Hause mag das dramatischer wirken (kennen wir  ja durchaus auch von anderen Konfliktsituationen&#8230;), aber ganz London  brennt nicht. Von den wirklich schlimmen Ausschreitungen sind einzelne  Stadtteile betroffen. Zwar wurde das Viertel, in dem die Sprachschule,  wo ich heute Nachmittag unterrichtete, plötzlich auch evakuiert (was  sich dramatischer anhört, als es ist: wir wurden gebeten, zu gehen), und  das war in der Nähe der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bond_Street">Bond Street</a>, mitten im Zentrum Londons &#8211; aber bis auf geschlossene Geschäfte war in der Innenstadt alles wie immer, ganz normal. Auf <a href="http://maps.google.co.uk/maps/ms?msid=207192798388318292131.0004aa01af6748773e8f7&amp;msa=0&amp;ie=UTF8&amp;ll=51.536086%2C-0.056305&amp;spn=0.39294%2C0.630341&amp;z=10&amp;source=embed">dieser Seite</a> lässt sich verfolgen, wo bis jetzt was passiert ist.</p>
<p><strong>Bald auch bei uns? </strong></p>
<p>Quatsch. So lange es bei uns keine Viertel gibt wie hier oder in  vielen französischen Großstädten, in denen man sich auf einem Rundgang  eher wie in Rumänien als in einem der reichsten Staaten Westeuropas  fühlt (nichts gegen Rumänien&#8230;), so lange bleibt Randale in unseren  Großstädten auf das Maximum &#8220;1. Mai-Krawalle&#8221; beschränkt.</p>
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		<title>Lieselotte und die Sufis</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 12:57:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf zum Sufi-Festival &#8220;Wie, du willst auf ein Sufi-Festival??&#8221;, fragt Nadia mich entgeistert. &#8220;Du weisst aber schon, wie die drauf sind, die beten zu Heiligen und tanzen sich in Trance... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/08/02/lieselotte-und-die-sufis/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong>Auf zum Sufi-Festival</strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/sufism.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-6025" title="sufism" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/sufism-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>&#8220;Wie, du willst auf ein Sufi-Festival??&#8221;, fragt <em><a href="http://und-das-meint-lieselotte.blogspot.com/2011/03/nadia.html" target="_blank">Nadia</a></em> mich entgeistert. &#8220;Du weisst aber schon, wie die drauf sind, die beten zu Heiligen und tanzen sich in Trance und so. Da willst du hin?&#8221; Dass ich weiss, dass es auch andere Sufis gibt, die naemlich ganz normale Mainstream-Sunnis sind plus ein bisschen mehr <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Dhikr">Dhikr</a>, nimmt sie mir nicht richtig ab. <em>Nadia</em> kommt nicht mit, zu dem dreitaegigen Sufi-Festival, zu dem wir von einem jungen Mann auf unserem Campus (dessen Name, wie sich spaeter herausstellt <em>Hadschi Ammar</em> ist) eingeladen wurden &#8211; aber <em>Mary</em>, eine amerikanische Bekannte, die vor einem Jahr Muslimin geworden ist. Das Festival findet ausserhalb Londons statt, wir werden von zwei jungen Maennern im Auto mitgenommen. In weissem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thawb" target="_blank">Thaub</a> der eine, in Trainingshose und Jamaicahemd der zweite, dazu <em>Mary</em>, das Lieschen und ich &#8211; es kann losgehen.</p>
<p><strong>In the Middle of Nowhere</strong></p>
<p>Wir verlassen London, fahren und fahren, bis wir nur noch von gruenen Wiesen, rechts mit Schafen und links mit Strohballen drauf, umgeben sind. Vor uns geht dramatisch die Sonne unter und faerbt den Himmel in eine Palette aus Rosa-, Rot-, Violetttoenen. <em>Daniel</em>, einer unserer beiden Mitfahrer erzaehlt, dass das Haus, in dem die islamische Schule, in der das Festival stattfindet, waehrend des Kriegs als Hospital und spaeter als Altenheim genutzt wurde. Schliesslich nehmen wir eine Abfahrt von der Landstrasse und fahren eine lange Baumallee entlang, an deren Ende ein Mann in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thawb">Thaub</a> mit fluoroszierender Weste drueber steht, Walkie-talkie in der Hand.</p>
<p><strong>Fuer diese und die naechste Welt</strong></p>
<p>Als erstes sticht uns ein mit blauen und gelben Lichterketten behaengtes Mausoleum mit gelben Waenden und gruener Kuppel ins Auge. Das Anwesen, in dem die Schule untergebracht ist, besteht aus mehreren Backsteinhaeusern. Auch die sind mit Stoffwimpelketten geschmueckt. Die Schule, so <em>Daniel</em>, ist ein Internat. Die Schueler koennen hier ganz normal ihr Abitur ablegen und zusaetzlich Kurse in islamischen Faechern belegen. Auf diese Kombination von saekularer und religioeser Bildung legt man hier grossen Wert. Der hoechste zu erreichende Abschluss ist ein BA in Islamischen Studien.</p>
<p><strong>Wunderbare Atmosphaere</strong></p>
<p>Eine erste Runde ueber das Gelaende laesst uns schnell erkennen, dass der Grossteil der Gaeste, die aus allen Teilen des Landes, selbst aus dem europaeischen Ausland, angereist sind, Pakistanis sind. Darunter sind ein paar konvertierte Muslime auszumachen. Die meisten der Maenner tragen lange weisse <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thawb" target="_blank">Thaubs</a>, die Frauen fast alle Kopftuch, einige auch <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Niq%C4%81b" target="_blank">Niqab</a>. Sufis mit Niqab? Wenn das Nadia wuesste! Die Atmosphaere ist unglaublich freundlich. Keiner kennt uns, aber wir werden sofort herzlichst aufgenommen. Abendessen gibt es im Speisesaal, wo die Frauen und einige Kinder auf dem Boden auf langen Papiertischtuechern biryani, raita und eine suedasiatische Suessigkeit essen. Die Maenner essen in einem der riesen Zelte, die auf einem der Felder, die zum Anwesen gehoeren, aufgestellt sind. Abends liegen wir im Bett, durch das offene Fenster zieht frische, nach Heu riechende Luft ins Zimmer &#8211; und die Gesaenge und Rezitationen der Sufis, die im Hauptzelt beten.</p>
<p><strong>Schuelerinnen, Aerztinnen, Hausfrauen</strong></p>
<p>Am naechsten Morgen machen <em>Mary</em>, das Lieschen und ich uns auf zum ersten Programmpunkt. Ein Event nur fuer die Frauen, die in einem Kreis auf dem mit Teppich ausgelegten Boden der kleinen Moschee sitzen. Sie singen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Naschid" target="_blank">Anaschid</a>, immer eine reihum, mit glockenhell-klaren Stimmen. Mir faellt auf, wie verschieden diese Frauen doch sind. Die meisten sind unter 30, einige aber auch aelter, 40, 50 Jahre alt, manche erst im Teenie-Alter. Einige tragen perfekt geschnittene Abayas mit Hijab in darauf abgestimmter Farbe, andere den traditionellen suedasiatischen Shalwar Kameez, wieder andere lange westliche Kleider &#8211; oder einfach eine Jeans mit einem laengeren Hemd darueber. Niqab, Kopftuch, locker ueber den Kopf gelegte Dupatta, gar keine Kopfbedeckung, es ist alles dabei. Schuelerinnen, Studentinnen, Aerztinnen, Rechtsanwaeltinnen, Hausfrauen.</p>
<p><strong>Frauen und Maenner und die Sache mit dem Saxophon</strong></p>
<p>Die Gemeinschaftsgebete beten alle im grossen Zelt, in dem das Hauptprogramm stattfindet. Vorne die Frauen und hinten die Maenner. Es gibt einen Eingang zu dem Zelt, was sich fuer Nicht-Muslime trivial anhoeren mag, wer aber vertraut ist mit Moscheen in Europa (und nicht nur dort), weiss, dass das viel zu oft nicht der Fall ist. Vortraege werden von Maennern und Frauen gehalten, was auch auf anderen muslimischen Veranstaltungen zu sehen ist, aber spaetestens als der Programmpunkt ansteht, in dem <em>Hadschi Ammar</em> in langem weissen Gewand und mit grauem Rauschebart im Hauptzelt auf seinem Saxophon eine <em>Anasheed</em>-Melodie anspielt, weiss ich, dass das hier was Besonderes ist. Ich schaue von dem Mann mit dem Saxophon zu den <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sheikh" target="_blank">Scheykhs</a> auf der Buehne zu den gruenen und schwarzen Fahnen mit der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shahada" target="_blank">Schahada</a> drauf auf den rot-gruenen Teppichboden, den ich aus so vielen Moscheen in Europa, der Tuerkei, dem Nahen Osten kenne. Wo bin ich hier?</p>
<p><strong>Audienz beim Scheykh</strong></p>
<p>Als ich mich spaeter mit Mary darueber unterhalte, wird klar, dass es ihr genauso ging wie mir: Das Saxonphonspiel war zwar nett, aber religioes gesehen, vom Spirituellen her, hat es uns nichts gebracht. Am Sonntag steht dann das Treffen mit dem Scheykh auf dem Programm. Weil wir zum ersten Mal hier sind, kriegen wir gleich einen Termin, sonst muss man mitunter Monate auf eine Audienz warten. Ich weiss nicht so recht, was ich da soll, aber dann treibt mich doch die Neugier. Das Treffen verlaeuft unspektakulaer, aber mich schauert es, als ich von einigen der Frauen daraufhin aufgeregt gefragt werde, wie es denn war, den Scheykh zu treffen, ob ich eine tiefe Zufriedenheit gespuert haette. Ich will sie nicht enttaeuschen, weil ich sehe, wie wichtig es ihnen ist, anluegen moechte ich sie aber auch nicht und so merke ich vorsichtig an, dass das alles fuer mich nicht das Gleiche ist wie fuer sie, weil ich nicht daran glaube, dass dieser Scheykh einfach durch sein Scheykh-Sein besser ist als einer von uns. Ich versuche, mich zu erklaeren, aber sie verstehen es nicht.</p>
<p><strong>Doch nicht so progressiv?</strong></p>
<p>Der Bruch erfolgt endgueltig, als mir bewusst wird, wie viele kleine Maedchen hier auf dem Gelaende mit Kopftuch herum rennen. Teilweise sind die erst zwei oder drei Jahre alt. Muss das sein? Und dann sagt mir doch allen Ernstes eine junge Frau, ich sollte dem Lieschen doch auch bald ein Kopftuch aufsetzen. Als ich &#8211; ich schaffe es sogar, ruhig und freundlich zu bleiben &#8211; meine, &#8220;nein, davon halte ich nichts&#8221;, meint sie &#8220;na ja, nur weil sie so schoene Haare hat&#8221;. Spaetestens da war es wirklich zu viel. Diese Verherrlichung des Scheykhs (der trotz allem doch nur ein Mensch wie wir ist), dieser komische Konservativismus &#8211; und auch einige der Rituale sind uns einfach nur befremdlich. Das Grab im Mausoleum zu kuessen, die Tatsache, dass man laut den Sufis nur einen spirituellen Lehrer haben soll (ich dachte, Infragestellen ist gut) oder dass wir hier bei vielen das Gefuehl haben, dass sie uns von ihrem Weg ueberzeugen wollen &#8211; das ist uns einfach unglaublich suspekt. Hadschi Ammar, der uns schliesslich ueber den Weg laeuft, uns fragt, wie es uns gefaellt &#8211; und die volle Ladung abbekommt, meint zwar, dass das alles nicht so sein sollte und wir Recht haben, Infragezustellen &#8211; aber fuer uns ist es zu spaet, das ist zu viel, und definitiv nicht unser Weg.</p>
<p><strong>Zurueck zu Hause</strong></p>
<p>Zurueck in London brauchten wir erst mal beide eine Pause. Es war ein Wochenende voller neuer Eindruecke gewesen, voller unglaublich netter Menschen, denen wir begegnet sind &#8211; und einiger merkwuerdiger Ereignisse. Was bleibt von drei Tagen Sufi-Festival? Es gibt einiges, was mir am Sufi-Ansatz gut gefaellt. Der Schwerpunkt, den sie auf das &#8220;Innere&#8221;, die Bedeutung ihrer Handlungen und die spirituellen Aspekte legen. Dass sie eine buchstabengetreue Interpretation der Texte, an der nicht zu ruetteln ist, ablehnen. Und dass es ihnen vor allem um eine persoenliche Entwicklung geht statt morgen die Weltrevolution auszurufen. Konservativ kann man aber auch als Sufi sein. Es ist ein Irrglaube, wenn man im Westen oft meint, die Sufis, das waeren die guten (weil weniger gesetzestreuen) Muslime. Sicher gibt es auch Sufis, die tatsaechlich nur Wert auf den spirituellen Aspekt des Islams legen und alles, was in Richtung Regel geht, ablehnen &#8211; ich wusste es schon vorher, aber dieses Wochenende hat mir mehr als deutlich gemacht, dass das mitnichten immer der Fall ist. Ihr dachtet, Sufi und Niqab gehen nicht zusammen? Kommt doch mit naechstes Jahr, zum Sufi-Festival!</p>
</div>
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		<title>Lieselotte und die Wahabitinnen</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jul 2011 09:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein Freitag im letzten Ramadhan &#8211; und ich dachte mir, ich könnte mich mal wieder auf einer  islamischen Veranstaltung blicken lassen. &#8220;Free Islamic Event and <a href="http://www.eslam.de/begriffe/f/fastenbrechen.htm" target="_blank">Iftar</a>&#8221;  hieß es auf dem Flyer, den mir zwei Mädchen auf der Straße vor einer  Weile in die Hand gedrückt hatten, &#8220;Women Only&#8221;. Mit dem Bus, der bei  uns um die Ecke fährt, scheine ich da ziemlich gut hinzukommen, also  gut.</p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/Niqab.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5984" title="Niqab" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/Niqab-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Am frühen Abend stehe ich also vor dem Gebäude, in dem die  Veranstaltung statt finden soll. Ein altes Backsteingebäude, das heute  als Moschee, Samstagsschule und für eben solche Veranstaltungen genutzt  wird. Natürlich geht es nicht um sechs los, wie es auf der Einladung  hieß, aber gegen halb sieben ist es dann soweit. Vor den Reihen von  Stühlen für etwa dreißig oder vierzig Frauen, von denen erstaunlich  viele <a href="http://www.muslimbase.com/niqab-veil-c-416_500.html" target="_blank">Niqab</a> tragen, ist ein Podium mit drei Plätzen aufgebaut. Der hintere Teil des  Raums ist mit einem Vorhang abgetrennt, dort ist eine Art  Kinderbetreuung organisiert. Dreißig Frauen, die einen Vortrag hören  wollen, und mindestens dreißig oder vierzig Kinder, die im gleichen Raum  spielen &#8211; natürlich geht das nicht gut. Es ist kaum etwas zu verstehen,  vor allem, da dazu das Mikro &#8211; wenn wundert&#8217;s &#8211; nur semiprofessionell  eingestellt ist.</p>
<p>Der Lärmpegel ist enorm. Zudem beginne ich langsam zu verstehen, dass ich da in eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wahhabiten" target="_blank">Wahabi</a>-Veranstaltung  geraten zu sein scheine. Die Frauen sind unglaublich nett, freundlich,  zuvorkommend, aber schon ganz zu Beginn meint eine, mit der ich über das  Thema ins Gespräch kam, ich solle doch das Lieschen jetzt langsam mal  abstillen &#8211; im Qur&#8217;an hieße es nämlich, zwei Jahre solle man stillen. <span>(Ja, und? Steht da auch, nach zwei Jahren ist es verboten? Nein? Na also, dann lass mich auch in Frieden mit deinen Tipps&#8230;)</span>.  Derweil erklärt die Frau auf dem Podium, wir sollten unsere Zeit  sinnvoll nutzen, den Islam studieren (okay, bis dahin gehe ich noch  konform mit ihr), es gäbe ja Leute, die studierten &#8230; Psychologie &#8211; was  nutzt uns Psychologie? <span>(Hä? Also  Leute &#8230; habt ihr da was falsch verstanden oder ich? Es muss doch nicht  jeder Mullah werden. Es KANN doch nicht jeder Mullah werden; eine  Gesellschaft braucht ein bisschen mehr als nur Islamologen. Oder  brauchen Muslime keine Psychologen? Was mache ich dann aber, wenn ich an  einer Depression leide? Beten? Ach Leute, kommt schon, DAS ist es  nicht, was uns diese Religion lehrt&#8230;). </span></p>
<p><span>In  einem Nebensatz erwähnt sie, dass Musik natürlich auch nicht erlaubt  sei &#8211; aber das erstaunt mich gar nicht mehr, das ist ja eine unter  vielen Muslimen verbreitete Meinung. Wählen gehen ist </span><span>haram </span><span>und  die Regierungen der USA, Großbritanniens, Saudi-Arabiens und des Irans  sind so ziemlich alle des Teufels. Als dann die Frau neben mir, die wie  ich ein farbiges Kleid, darüber eine Strickjacke plus Kopftuch trägt,  mit einem Blick auf all die in schwarz gekleideten Frauen noch meint,  &#8220;das, was wir tragen, ist ja auch kein richtiger </span><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hijab#Dress_code_required_by_hijab" target="_blank">Hijab</a><span>&#8220;</span><span> reicht es mir. Ich schnappe mir das Lieschen, dem das Stimmengewirr und  die ganzen Leute auch zu viel sind, und laufe eine Runde um den Block.  Einen Mangosaft für das Lieschen und etwas frische Luft für ihre Mama  später kommen wir zurück in den Saal. Da ist es auch fast schon Zeit für  iftar, es werden Datteln und Wasserflaschen herumgereicht, wir beten  zusammen und dann gibt es</span><span> </span><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tandoori_chicken" target="_blank"><span>tandoori chicken</span></a><span> in Fladenbrot und </span><a href="http://www.eslam.de/begriffe/e/erlaubt.htm" target="_blank">halal</a> Cola für alle. Das Essen war vorzüglich.</p>
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		<title>Als der Terror nach Norwegen kam</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jul 2011 07:39:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oslo &#8211; oder Baghdad, Grozny, Beirut? Freitagnachmittag landet die Nachricht auf meinem Computer: Einen Anschlag in Oslo hat es gegeben, mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Die Bilder aus Norwegen... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/07/25/als-der-terror-nach-norwegen-kam/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span>Oslo &#8211; oder Baghdad, Grozny, Beirut?</span></strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/Terror-Oslo-Norwegen.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5935" title="Terror Oslo Norwegen" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/07/Terror-Oslo-Norwegen-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Freitagnachmittag  landet die Nachricht auf meinem Computer: Einen Anschlag in Oslo hat es  gegeben, mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Die Bilder aus  Norwegen sehen nicht nach Europa aus. Das hätte Irak sein können, Beirut  oder Grozny &#8211; aber doch nicht Oslo. Blutende Passanten, zerstörte  Bürohäuser, Flammen, die aus einem der Ministerien schlagen. Die  Innenstadt, so hieß es, sei gesperrt, Rauch stünde über der Stadt. Oslo  ist nicht so viel anders als London, Paris, München, Köln, Berlin &#8211; das  hätte bei uns passieren können. Ich will nicht daran denken, wie es sein  muss, dabei sein, herauszufinden, wer von Freunden und Familie in  Sicherheit ist &#8211; und wer nicht.</p>
<p><strong><span>Und wer steht dahinter?</span></strong></p>
<p>Ich  musste gleich an den Anschlag in Stockholm denken, bei dem wie durch  ein Wunder nur eine Person verletzt wurde. Und diesmal &#8211; waren es wieder  Muslime, die hinter dem Attentat standen? Ich dachte daran, wie es  damals nach den Anschlägen in London war: selbst besorgt um Freunde in  der britischen Hauptstadt &#8211; und dann auf der Straße als  &#8220;Scheißterroristin&#8221; beschimpft zu werden&#8230; &#8220;Bitte, bitte, bitte, mach  dass das keine Muslime waren, nicht schon wieder!&#8221; Am späten Nachmittag  schalte ich den Computer aus.</p>
<p><strong><span>Kein Muslim, ein Islam&#8221;kritiker&#8221;</span></strong></p>
<p>Am  nächsten Tag ist klar: es waren nicht die Muslime. Sondern ein offenbar  rassistisch, islam&#8221;kritisch&#8221;, radikal-christlich eingestellter  Rechtsextremer (zwei richtig gute Artikel zum Attentäter und seinem  Hintergrund habe ich auf <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,776275,00.html" target="_blank">Spiegel Online</a> und dem Internetauftritt vom britischen <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/jul/24/norway-tragedy-extremism-europe" target="_blank">Guardian</a> gefunden). Jetzt ist auch klar, dass die Schießerei auf der kleinen  Insel Utøya, von der am Freitag nur ansatzweise in den Zeitungen zu  lesen war, in einem Massaker an Dutzenden von Jugendlichen endete und  ebenfalls auf das Konto des Attentäters aus Oslo gingen. Ich bin  fassungslos, will mir nicht vorstellen, wie das sein muss, Freunde oder  Familienangehörige unter den Menschen dort gehabt zu haben.</p>
<p><strong><span>Und was sagen unsere Islam&#8221;kritiker&#8221;?</span></strong></p>
<p>Am Sonntag stöbere ich ein bisschen auf einer der islam&#8221;kritischen&#8221; Seiten im deutschen Web. So so, <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/broder-ueber-broder-bei-breivik/4427010.html" target="_blank">Henryk Broder</a> wird vom Attentäter in seinem &#8220;Manifest&#8221; zitiert (so was aber auch), und dann stoße ich auf diesen Kommentar:</p>
<blockquote><p>&#8220;#6 ratloser (23. Jul 2011 14:22)</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Dennoch ist es wichtig zu bemerken, dass die “Bösen” nicht immer nur andere sind.&#8221;</p>
<p>Ömmm…wer sind “andere”?…und im Gegensatz dazu: wer sind “wir”?…sind “wir” auch böse, wenn ein Psychopath, der öffentlich teilweise ähnliche politische Ansichten wie “wir” vertrat, durchdreht und zum Massenmörder wird?</p>
<p>Ich bin nicht “böse”, ich finde den Massenmord in Norwegen verachtenswert, ich bin trotzdem auch Kritiker des “Kulturmarxismus” und Skeptiker bezüglich der Möglichkeit einer dauerhaft friedlichen Koexistenz mit großen islamischen Bevölkerungsanteilen in unserer Gesellschaft.</p>
<p>Und nun? Selbstanzeige? Haltet mal den Ball flach….&#8221; (Quelle: PI News)</p></blockquote>
<p>So so, seht ihr also mal, wie es einem so regelmäßig als Muslim in Europa geht&#8230; (Bin mal gespannt, wann die ersten Forderungen an Europas Christen kommen, sich von Fanatiker dieser Art in den eigenen Reihen zu distanzieren.)</p>
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		<title>London: Multikulti im Park</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 05:38:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hin Ein Samstagnachmittag im Juni in London. Es ist &#8211; ganz ungewohnt &#8211; brüllend heiss. Vorsichtig machen sich das Lieschen und ich durch die Hitze auf den Weg Richtung U-Bahn-Station.... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/06/30/london-multikulti-im-park/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hin</strong></p>
<p>Ein Samstagnachmittag im Juni in London. Es ist &#8211; ganz ungewohnt &#8211; brüllend heiss. Vorsichtig machen sich das Lieschen und ich durch die Hitze auf den Weg Richtung U-Bahn-Station. Im Cafe an der grossen Strasse sitzen, wie immer, die bulgarischen Männer in kleinen Grüppchen im Schatten der Balustrade zusammen. Vorne an der Ecke kommt uns ein dunkelblonder Rastafari entgegen, der seine langen Haare unter einer riesigen roten Mütze trägt. Ansonsten hat er nur Shorts, Sandalen und, es ist heiss, ein rotes Netzshirt am Körper.</p>
<p><strong>Minirock und Vollschleier </strong></p>
<p>Auf der Einkaufsstrasse, die zur U-Bahn-Station führt, promenieren sich Polinnen, Bulgarinnen, Russinnen in Miniminiminiröcken und -shorts, es ist ja Sommer. Daneben läuft eine Gruppe sudanesischer Frauen in schwarzer Vollverschleierung. Verhüllt von Kopf sind nur ihre Augen frei. Nur eine trägt keinen Gesichtsschleier, sie ruft ihren Sohn, der gerade dem kleinen Inder da vorne die Mütze vom Kopf ziehen will. Die Mutter des Inders, in shalwar kameez mit lockerem Kopftuch, sieht sich derweil die Taschen, die die zwei Vietnamesinnen, die dort vor dem Einkaufszentrum immer stehen, verkaufen, an.</p>
<p><strong>Regent&#8217;s Park</strong></p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/06/Regents-Park-Mosque.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5769" title="Regents Park Mosque" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/06/Regents-Park-Mosque-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In der U-Bahn ist es noch heisser, ein spanischer Tourist tritt mir auf den Fuss und wenn ich jetzt nicht gleich einen Sitzplatz bekomme &#8211; da steht ein junger Franzose auf und bietet mir seinen Sitz an. Drückend heiss ist es immer noch, warum gibt es in der Londoner U-Bahn keine Klimaanlagen? Aber wir sind ja auch schon bald da. Den Regent&#8217;s Park mochten das Lieschen und ich schon letztes Jahr. Diesen Sommer waren wir endlich auch einmal in der Regent&#8217;s Park Mosque (auch: London Central Mosque), die direkt am Park liegt. In diesem Teil des Parks wimmelt es nur so vor Muslimen.</p>
<p><strong>Araber, Indonesier, Pakistanis, Polinnen </strong></p>
<p>Reiche Golfaraberinnen mit ihren schwarzen, schicken Abayas; kleine Indonesierinnen, die sich kleiden wie die alte polnische Nachbarin meiner Schwester in<em> [Stadt in Deutschland],</em> nur mit Kopftuch drauf; ältere Syrerinnen, die man an den langen, hässlichen Plastikmänteln mit Schulterpolster erkennt: jüngere Syrerinnen in stylischem Jeansrock, nettem Oberteil und passendem Hijab; Inderinnen und Pakistanerinnen in shalwar kameez; afrikanische Muslime; ganz helle europäische Musliminnen &#8211; hier gibt es alles (und natürlich auch die Männer dazu). Dazwischen tummeln sich sonstige Touristen jeder Couleur und auch ein paar &#8220;echte&#8221; Londoner &#8211; das hört man am Akzent, wenn nicht: sieht man am Auftreten (selbstsicherer; die wissen, wo sie sind).</p>
<p><strong>Zurück</strong></p>
<p>Auf dem Weg zurück zu einer der U-Bahn-Stationen laufen wir an Gruppen von Familien und Freunden, die auf dem Rasen sitzen, essen, trinken, sheesha rauchen. Da vorne spielen welche Ball. Je weiter wir uns von der Moschee entfernen, desto weniger Kopftücher und Grossfamilien sind zu sehen. Da vorne noch einmal eine Traube vor dem Lokal und Bootsverleih, etwas weiter am Kanal eine alte Frau im Rollstuhl mit goldener Maske, wie sie früher am Golf getragen wurde, und langsam kommen wir in einen Teil des Parks, der Islampanikern wie Broder, Sarrazin oder Schwarzer zwar immer noch Bauchschmerzen bereiten würde (immer noch keine kopftuchfreie Zone), aber zumindest keine sofortige Herzattacke mehr ausloesen würde.</p>
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		<title>Federico: Nicht hier und nicht dort</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jun 2011 08:33:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Italiener in London Federico kommt aus Italien. Seit letztem Sommer studiert er in London &#8211; und findet es schrecklich. Das Wetter, das Essen, das anstrengende Studium und so lange... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/06/19/federico-nicht-hier-und-nicht-dort/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Italiener in London</strong><br />
<em></em><br />
<em>Federico</em> kommt aus Italien. Seit letztem Sommer studiert er in London &#8211; und  findet es schrecklich. Das Wetter, das Essen, das anstrengende Studium  und so lange von seiner <em>Mamma</em> weg sein, das ist es einfach  nicht. &#8220;Meine Freunde schreiben jeden Tag auf Facebook, wie toll es  heute wieder am Strand war&#8221;, mault er, &#8220;und ich hocke hier in London.&#8221;</p>
<p><strong>Nord &#8211; Süd</strong></p>
<p><em><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/06/Dorf-Süditalien.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5682" title="Dorf Süditalien" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/06/Dorf-Süditalien-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Federico</em> stammt aus einem kleinen Ort an der Küste im Süden Italiens. Sein  Vater ist Mathematiker, die Mutter stammt aus einer traditionell  kommunistischen Familie und ist glühende Feministin und  Anti-Berlusconi-erin. Studiert hat <em>Federico</em> in Neapel. Erst  Geschichte und Politik und danach, einen Master, Internationale  Beziehungen. Als es darum ging, sich ein Thema für seine Bachelorarbeit  zu überlegen, war <em>Federico</em> sich sicher, über die  Kolonialisierung des Südens Italiens durch den Norden schreiben zu  wollen. Begeistert erzählte er seinem Professor von seiner Idee, bis  der ihn stoppte: &#8220;Hört sich super an! Schreiben wirst du allerdings zur  italienischen Aussenpolitik nach 1945.&#8221;</p>
<p><strong>Gibt&#8217;s nicht</strong></p>
<p>Während seines Masterstudiums konzentrierte <em>Federico</em> sich auf Lateinamerika. Als er fertig war, überlegte er sich, was  jetzt kommen sollte. Jobs ausserhalb des Tourismus gibt es in seinem  Heimatort kaum. <em>Federico</em> ueberlegte sich, sich für eine  Promotion zu bewerben. In Neapel war das nicht möglich. &#8220;Promovieren  solltest du auf jeden Fall&#8221;, riet ihm sein Professor. &#8220;Aber bei mir wird  das nichts. Ich habe nicht die politischen Beziehungen, die es  bräuchte, um an Födermittel zu kommen.&#8221; Die Regierung hatte gerade  einen Grossteil der Mittel für die Hochschulbildung gestrichen.</p>
<p><strong>Was es gibt</strong></p>
<p>Ein Stipendium für eine Promotion im Ausland bekam <em>Federico</em> nicht, und ohne Förderung war ein noch einmal Jahre dauerndes Studium  nicht drin. Für ein einjähriges Masterstudium in London gab es aber  Förderung. Mit einem Vollstipendium ausgestattet reiste Federico etwas  später also nach Grossbritannien. Bisher war er nur zu zwei  Uniexkursionen im Ausland gewesen: einmal in Irland (&#8220;war wie in  London&#8221;), einmal in Griechenland (&#8220;ziemlich das Gleiche wie in  Italien&#8221;).</p>
<p><strong>Zurück nach Italien?</strong></p>
<p>Wie es nach dem Studium weiter gehen soll, weiss <em>Federico</em> nicht. &#8220;Ich halte es nicht mehr aus&#8221;, stöhnt er, &#8220;ich muss zurück  nach Italien.&#8221; Vom Wetter, dem Essen und der Lebensart abgesehen geht es  ihm vor allem um seine Mutter: &#8220;Sie wird jetzt langsam alt, und ich bin  nicht da für sie &#8211; das ist nicht gut&#8221;, meint er. Beruflich Fuss zu  fassen wird im Süden Italiens schwierig werden. Federicos Schwester hat  vor zwei Jahren ihr Jurastudium mit exzellenten Noten abgeschlossen &#8211;  und ist seitdem arbeitslos. Nach Norditalien, wo es noch eher Arbeit  gaebe, will er nicht: &#8220;da kann ich ja gleich im Ausland bleiben.&#8221;</p>
<p><strong>Nur für ein paar Jahre</strong></p>
<p>Und  im Ausland bleiben? Wenigstens für ein paar Jahre? &#8220;Nein&#8221;, er  schüttelt den Kopf, &#8220;ich weiss, wie das ist. Man sagt, man geht nur  für ein paar Jahre, aber wenn man dann erst mal einen Job hat und Geld  verdient, dann bleibt man auch. Kommt jeden Sommer zurück nach Hause  und weint sich die Augen aus dem Kopf, dass man nicht mehr da ist.  Nein.&#8221;</p>
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		<title>Sophia: Deutsch und fremd</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jun 2011 09:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sophia</em> habe ich auf der Fähre von Dover nach Calais kennen  gelernt. Sie war wie wir auf dem Weg nach Deutschland und hat mich mit  dem Lieschen Deutsch sprechen gehört. &#8220;Kommst du auch aus Deutscland?&#8221; &#8211;  ja, kam ich.</p>
<p><strong>Deutsche in London</strong></p>
<p><em><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/06/London.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5641" title="London" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/06/London-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Sophia</em> hat in Deutschland eine Ausbildung zur Hotelfachfrau abgeschlossen und  arbeitet jetzt in London in einem Hotel. Es gefällt ihr ganz gut dort,  aber es nervt sie, ständig auf ihre Herkunft aus Deutschland  angesprochen zu werden. &#8220;Ständig diese Nazi-Witze&#8221;, meint sie entnervt,  &#8220;ja, ich komme aus Deutschland, aber verdammt, der Zweite Weltkrieg ist  jetzt über fünfzig Jahre vorbei, ich war damals noch gar nicht  geboren, meine Eltern auch nicht &#8211; also, was sollen diese Sprüche die  ganze Zeit?&#8221;.</p>
<p><strong>Fremde in Deutschland</strong></p>
<p>&#8220;Ich  wollte immer auswandern&#8221;, fährt sie fort, &#8220;aber seit ich im Ausland  lebe, ist mir klar, wo ich hin gehöre. Ein paar Jahre mache ich das  hier noch, vielleicht gehe ich auch noch mal für ein Weilchen nach  Frankreich, aber danach bin ich wieder in Deutschland, das ist klar.&#8221; <em>Sophias</em> Mutter kommt aus Marokko, ihr Vater aus Frankreich. &#8220;Ich bin in  Deutschland gross geworden, aber irgendwie habe ich mich immer fremd  gefühlt dort. Irgendwie war ich anders.&#8221;</p>
<p><strong>Rotblonde Araberin </strong></p>
<p>Dabei sieht man <em>Sophia</em> ihr Fremdsein nicht an: Sie hat rotblonde Haare, hellbraune Augen, ganz  helle Haut. Auch ihr Name ist unauffällig. &#8220;Das hat mich immer so  aufgeregt, wenn mir die Leute dann nicht glauben wollten, dass mein Name  Arabisch ist&#8221;, meint sie, &#8220;klar, ich weiss, <em>Sophia</em> kommt aus  dem Griechischen, aber im Arabischen gibt es den auch! Wie die Leute  immer geguckt haben, wenn ich ihnen gesagt habe, dass meine  marokkanische Grossmutter den für mich ausgesucht hat&#8230;&#8221;</p>
<p><strong>Sprachen</strong></p>
<p>Arabisch  spricht sie nicht. &#8220;Als ich klein war, hat meine Mutter Arabisch und  Französisch mit mir gesprochen und ich konnte beides &#8211; wie das bei  kleinen Kindern in dem Alter aber eben so ist, habe ich alle Sprachen  gemixt &#8211; Deutsch, Arabisch, Französisch. Dann kam ich in den  Kindergarten und die Kindergärtnerinnen haben meiner Mutter Panik  gemacht und meinten, dass ich später mal kein ordentliches Deutsch  sprechen würde.&#8221; Das wollte <em>Sophias</em> Mutter nicht und von da an sprach sie mit dem Kind nur noch Deutsch. Heute spricht <em>Sophia</em> akzentfrei Deutsch, aber nur gebrochen Französisch und Arabisch  versteht sie nur ein bisschen. &#8220;Mach bloss den Fehler mit dem Lieschen  nicht&#8221;, meint <em>Sophia</em> zu mir und schüttelt den Kopf: &#8220;Kinder  lernen so schnell und mit der richtigen Unterstützung wird das auch mit  drei Sprachen was!&#8221;</p>
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		<title>Wer sind die (Anti)Semiten?</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/05/10/wer-sind-die-antisemiten/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 May 2011 08:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Diskussionen, in denen es um Judenfeindlichkeit unter Muslimen geht, hört (und liest) man immer wieder, dass Araber selbst Semiten seien (sind sie) und daher gar keine Antisemiten sein könnten.... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/05/10/wer-sind-die-antisemiten/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Diskussionen, in denen es um Judenfeindlichkeit unter Muslimen geht, hört (und liest) man immer wieder, dass Araber selbst Semiten seien (sind sie) und daher gar keine Antisemiten sein könnten.</p>
<p>Ach nein?</p>
<p>Nur, weil ich aus München komme, kann ich keine Abneigung gegen Münchner haben? Nur weil ich Deutscher bin, kann ich nicht die Deutschen hassen? Ein Kölner kann nichts gegen einen Düsseldorfer haben, weil sie ja beide aus dem Rheinland kommen?</p>
<p><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/05/Juden-und-Araber-Kinder.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-5440" title="Juden und Araber Kinder" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/05/Juden-und-Araber-Kinder-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>In mancher Diskussion schadet ein kleiner Hinweis auf die kulturelle Nähe von (orientalischen) Juden und Arabern, auf die enge Verwandtschaft der hebräischen und arabischen Sprache nicht &#8211; weil sie so manchem, der &#8220;die Araber&#8221; als essentiell anders, fremd, rückständig darstellt, tatsächlich nicht bekannt ist. Aber dass Araber keine Antisemiten sein können, weil sie selbst Semiten sind, ist so eine dumme Aussage, dass ich mich immer wieder frage, wie es kommt, dass sie mir seit Jahren wieder und wieder begegnet in Diskussionen zum Konflikt im Nahen Osten und Problemen in Europas großen Städten.</p>
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		<title>Wie wurde Alice islamfeindlich?</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 05:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oder: Wir kommen aus der gleichen Stadt Ein Abend im Sommer Alice ist ungefaehr so alt wie ich. Wir haben im gleichen Jahr Abi gemacht und haben gemeinsame Freunde. Kennen... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/04/18/wie-wurde-alice-islamfeindlich/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oder: Wir kommen aus der gleichen Stadt</p>
<p><strong><a href="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/04/Alice.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5244" title="Alice" src="http://www.aggromigrant.com/wp-content/uploads/2011/04/Alice-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ein Abend im Sommer</strong></p>
<p><em>Alice</em> ist ungefaehr so alt wie ich. Wir haben im gleichen Jahr Abi gemacht  und haben gemeinsame Freunde. Kennen gelernt haben wir uns erst in den  letzten Wochen an der Schule, als wir schon gar keinen Unterricht mehr  hatten, sondern irgendwo zwischen Pruefungen und Abschlussfeier  schwebten. Es war nur ein Abend, aber wir hatten uns gleich gut  verstanden. &#8220;Schade, dass wir uns erst jetzt kennen gelernt haben&#8221;,  meinte <em>Alice</em> beim Abschied. Sie wollte in ein paar Wochen nach Israel gehen, um dort fuer ein Jahr Hebraeisch zu lernen.</p>
<p><strong>In Israel</strong></p>
<p><em>Alice</em> ist nach Israel gegangen, hat Hebraeisch gelernt und <em>Yuval</em> kennen gelernt. <em>Yuval</em> war juedisch wie sie und lebte in Israel. <em>Alice</em> verliebte sich und beschloss, zu bleiben. Wenig spaeter heirateten sie und <em>Yuval</em>.  Als Juedin war es fuer sie kein Problem, die israelische  Staatsbuergerschaft zu bekommen. Sie begann ein Studium an einer der  Unis im Lande. Das Studium hat sie in der Zwischenzeit abgeschlossen.  Sie hat gearbeitet und jetzt erwartet sie ein Kind.</p>
<p><strong>Muslimin, Islamistin, Israelhasserin?</strong></p>
<p>Ich  habe sie nicht mehr gesehen seit diesem ersten Abend irgendwann im  Sommer vor Jahren, als sie wir uns kennen lernten. Muslimin war ich  schon damals, aber das wusste fast keiner. Seit ich mit Kopftuch  deutlich als solche erkennbar war, war ich so manchem der gemeinsamen  Bekannten, die <em>Alice</em> und ich hatten, und deren Freunden  suspekt. War sie Muslimin, Islamistin, Israelhasserin? Es war deutlich,  wie schwer es vielen von ihnen fiel, mich einzuordnen. Mit <em>Alice</em> habe ich nicht darueber gesprochen &#8211; wieso auch: wir waren nie Freunde  gewesen, und konnten es aufgrund der raeumlichen Distanz auch nicht  werden &#8211; aber ich befuerchtete, dass sie mein Muslimsein aehnlich sehen  wuerde.</p>
<p><strong><em><em>Eine Sicht auf den Konflikt</em></em></strong></p>
<p>Und  dann tauchten auf ihrer Facebook-Seite ploetzlich immer wieder Links zu  islamfeindlichen Artikeln und Videos auf. Wann immer es zu einem  Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten kam, konnte ich an  Alices Kommentaren sehen, dass sie den in Israel dominanten Diskurs  vollkommen aufgenommen hatte: Israel ist die einzige Demokratie im Nahen  Osten, Schuld am Konflikt sind die Araber und Palaestinenser sind  Terroristen. Selbstkritik oder auch nur die geringste Empathie fuer die  andere Seite fehlte voellig.</p>
<p><strong>Alice ist nicht von dort</strong></p>
<p>Das  mag verstaendlich sein bei jemandem, der in Israel gross geworden ist,  dort immer gelebt hat, aber Alice ist nicht von dort. Sie kommt aus  Europa, sie kommt aus Deutschland, aus der gleichen Stadt wie ich, wo  uns schon, bevor wir in der Schule waren, eingetrichtert wurde, <em>common</em> <em>knowledge</em> kritisch zu hinterfragen. Alice hat in <em>[Stadt in Deutschland]</em> muslimische Freunde, sie kennt die und weiss, dass nicht jeder Muslim oder Araber ein Israelifresser ist.</p>
<p><strong>Warum nicht?</strong></p>
<p>Wie  es trotzdem sein konnte, dass sie den in Israel dominanten Diskurs so  uebernehmen konnte, verstehe ich nicht. Sie kam von draussen, sie haette  es anders sehen koennen. Warum nicht? Ich wuerde sie gerne fragen, aber  ich zoegere, sie zu fragen, weil ich befuerchte, dass sie mich als eine  von den anderen sieht &#8211; und ausserdem, weil wir uns ja eigentlich gar  nicht richtig kennen.</p>
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		<title>Sicherheitspolitik &#8211; kein Thema?</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 06:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Dienstag also startete die Deutsche Islamkonferenz in eine neue Runde. Dass das Ganze auch dieses Mal zu einer kontroversen Veranstaltung werden wuerde, war abzusehen. Mit einem Innenminister, der meint,... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/04/05/sicherheitspolitik-kein-thema/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag also startete die <a href="http://www.deutsche-islam-konferenz.de/cln_117/SubSites/DIK/DE/Startseite/home-node.html?__nnn=true">Deutsche Islamkonferenz</a> in eine neue Runde. Dass das Ganze auch dieses Mal zu einer  kontroversen Veranstaltung werden wuerde, war abzusehen. Mit einem  Innenminister, der meint, der Islam gehoere <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc%7EE9E19C5EABACD46038A2B52708016F5DF%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">historisch gesehen</a> nicht zu Deutschland, zu debattieren, versprach jedenfalls &#8211; nun, ja:  interessant zu werden. Und so gab es dann auch gleich am ersten  Sitzungstag <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc%7EE9BF495BB9E644D7289A1C05A3E666736%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">ein bisschen Aufregung</a>.  Friedrich erklaerte, man habe ihn falsch verstanden; neun der zehn  muslimischen Teilnehmer waren empoert und die SPD hatte auch was zu  sagen.</p>
<p>Was ich nicht ganz verstehe, ist warum sich die  muslimischen Teilnehmer der Konferenz so vehement gegen einen Fokus auf  Sicherheitspolitik wehren. Sicher, wenn dadurch mal wieder der Eindruck  entsteht, dass Islam gleich Islamismus gleich Extremismus gleich  Terrorismus ist, dann ist das nicht Sinn der Sache. Andererseits: Was  heutzutage in Deutschland im Bereich Praeventionsarbeit laeuft, steckt  noch in den Kinderschuhen, das ist eine Tatsache, die umso deutlicher  wird, wenn man die Situation in Deutschland mit der in anderen Laendern  vergleicht.</p>
<p>Selbst in Saudi-Arabien oder Jemen gibt es schon  seit Jahren Deradikalisierungsprogramme fuer ehemalige Terroristen. In  Deutschland laeuft da nicht viel, ein <a href="http://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af_islamismus/hatif_de.html">Aussteigerprogramm</a> nach dem Vorbild des <a href="http://www.exit-deutschland.de/">Programms fuer Rechtsextreme</a> existiert erst seit letzten Sommer. Aufholbedarf gibt es da also  einigen &#8211; und ist es nicht besser, wenn an der Ausarbeitung von  entsprechenden Strategien auch Deutschlands Muslime beteiligt sind?</p>
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		<title>Die Geschichte von Mina</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/03/31/die-geschichte-von-mina/</link>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 06:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mina ist fast 21. Sie ist im letzten Semester ihres Jurastudiums in London und kann nicht glauben, dass ihre Studienzeit schon zu Ende sein soll. Neuanfang Minas Großeltern kamen &#8211;... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/03/31/die-geschichte-von-mina/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><span>Mina </span></em>ist fast 21. Sie ist im  letzten Semester ihres Jurastudiums in London und kann nicht glauben,  dass ihre Studienzeit schon zu Ende sein soll.</p>
<p><strong><span>Neuanfang</span></strong></p>
<p><em><span>Minas </span></em>Großeltern kamen &#8211; vor Jahrzehnten &#8211; als palästinensische Flüchtlinge nach <em>[<span>Land im Nahen Osten</span>]</em>.  Ihrem Großvater ging es besser als anderen, mit viel Ausdauer und etwas  Glück hat er sich im neuen Land hochgearbeitet. Geldsorgen hatte die  Familie nicht. <span><em>Minas</em> </span>Mutter  studierte Architektur und begann eine erfolgreiche Karriere. Sie baute  unter anderem einen der Paläste für die Königsfamilie in <em>[<span>noch ein Land im Nahen Osten</span>]</em>.</p>
<p><strong><span>Vom Nahen Osten nach Nordengland</span></strong></p>
<p><em><span>Minas </span></em>Vater,  einen Arzt, lernte sie auf der Hochzeit von gemeinsamen Freunden  kennen. Etwas gefiel ihr an dem jungen Mann, der an seiner Universität  als Vorbeter das Gemeinschaftsgebet leitete. Die beiden heirateten und  verließen etwas später <em>[<span>Land im Nahen Osten</span>]</em>. Im Ausland kümmerte sich <em><span>Minas </span></em>Vater kaum noch um seine Religion, <em><span>Minas </span></em>Mutter schon. Als das erste Kind unterwegs war, legte <span><em>Minas</em> </span>Mutter ihre Karriere auf Eis. <em><span>Minas </span></em>Vater  begann, sich auf ein eher außergewöhnliches Gebiet der Medizin zu  spezialisieren und die Familie lebte in den nächsten Jahren in einer  ganzen Reihe von Ländern: in Schottland, Saudiarabien, den USA &#8211; bevor  sie sich schließlich auf Dauer im Norden Englands niederließen.</p>
<p><strong><span>Wie es nach dem 11. September war</span></strong></p>
<p><em><span>Mina </span></em>wuchs in einem <em><span>upper-class</span> </em>Vorort von<em> [<span>Stadt in Nordengland</span>]</em> auf. Sie war auf ihrer Schule &#8211; bis auf ein Mädchen aus China und eins  aus Jamaika &#8211; die einzige mit ausländischen Wurzeln. &#8220;Vor dem 11.  September habe ich mich als Engländerin, als Weiße gesehen&#8221;, meint <em><span>Mina </span></em>heute. Dann kamen die Anschläge vom 11. September 2001, <em><span>Mina </span></em>war elf Jahre alt, und alles änderte sich. Ihre Mutter wurde wegen ihres Kopftuchs auf offener Straße angepöbelt und beleidigt. <em><span>Minas </span></em>neuer  Spitzname in der Schule war Osama Bin Laden. &#8220;Ich wurde für etwas  verurteilt, an das ich selbst gar nicht so richtig geglaubt habe&#8221;, meint <em> <span>Mina </span></em>heute.</p>
<p><strong><span>Teenagerzeit</span></strong></p>
<p>Sie  interessierte sich für Philosophie und Religion. Als Kind hatte sie  viel Zeit alleine verbracht, zu Hause mit ihren Romanen, jetzt begann  sie, Theater zu spielen. Sie wurde das Stottern los, mit dem sie  jahrelang gekämpft hatte. Ihr Freundeskreis erweiterte sich und  eigentlich hatte sie jetzt alles, wovon sie als Kind immer geträumt  hatte. Aber etwas fehlte, und das fand sie schließlich in der Religion  ihrer Mutter, die für sie immer der Inbegriff einer selbstbewussten,  würdevollen Frau gewesen war.</p>
<p><strong><span>Studienjahre in London</span></strong></p>
<p><em><span>Mina </span></em>war  17, fast 18, als sie begann, Kopftuch zu tragen. Ihr Vater war dagegen,  er meinte, so verbaue sie sich Chancen. Etwas später bekam sie eine  Zusage von einer der besten Unis des Landes, Jura sollte sie studieren,  in London. &#8220;An der Uni hatte ich zum ersten Mal muslimische Freunde&#8221;,  erklärt <em><span>Mina</span></em>, &#8220;das kannte ich  vorher nicht&#8221;. Nach drei Jahren Studium trennen sie jetzt nur noch ein  paar Prüfungen von ihrem Abschluss. Danach will sie erst mal arbeiten,  wahrscheinlich für eine Nichtregierungsorganisation im Bereich  Menschenrechte.</p>
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		<title>Auf dem Weg zur Integration</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2011/03/28/auf-dem-weg-zur-integration/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 16:55:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aggrolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Aiman Mazyek]]></category>
		<category><![CDATA[Cem Özdemir]]></category>
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		<category><![CDATA[Feridun Zaimoğlu]]></category>
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		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
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		<category><![CDATA[Hilal Sezgin]]></category>
		<category><![CDATA[Islam gehört zu Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Jamal Malik]]></category>
		<category><![CDATA[Katajun Amirpur]]></category>
		<category><![CDATA[Lamya Kaddor]]></category>
		<category><![CDATA[Muslime]]></category>
		<category><![CDATA[Naika Foroutan]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Interview der Woche auf Deutschlandfunk waren diesen Sonntag der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich und der Imam und Islamwissenschaftler Abdelmalik Hibaoui zu Gast. In dem Gespräch ging es vor allem... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/03/28/auf-dem-weg-zur-integration/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Interview der Woche auf Deutschlandfunk waren diesen Sonntag der neue  Innenminister Hans-Peter Friedrich und der Imam und  Islamwissenschaftler Abdelmalik Hibaoui zu Gast. In dem <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1421531/" target="_blank">Gespräch</a> ging es vor allem um die <a href="http://www.deutsche-islam-konferenz.de/cln_117/SubSites/DIK/DE/Startseite/home-node.html?__nnn=true" target="_blank">Islamkonferenz</a>, die am Dienstag in eine neue Runde startet. Friedrich erklärte, man habe ihn <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/innenminister-islam-friedrich" target="_blank">falsch zitiert</a> und die Muslime <span>seien </span>Teil der Gesellschaft. Und dann bringt er einen Satz und ich denke mir: &#8220;Hallo, wo sind wir?!&#8221;.</p>
<p>Er  sagte: &#8220;(&#8230;) Für mich ist das Entscheidende, dass die Menschen hier zu  dieser  Gesellschaft gehören. Und das ist im Grunde auch die Aufgabe  der  Politik, sich damit auseinander zu setzen, wie diese Menschen  integriert  werden können, wie man ihnen auf dem Weg zu dieser  Integration zur  Seite stehen kann.&#8221;</p>
<p>Und ich denke mir: Mein  lieber Junge, danke auch für die Bemühung, aber ICH BIN INTEGRIERT, ich  brauche niemanden, der mir &#8220;auf dem Weg zu dieser Integration zur Seite  stehen kann&#8221;, besten Dank auch!!!</p>
<p>Es mag ja Muslime (und nicht  nur Muslime) in Deutschland geben, denen ein bisschen mehr Integration  nicht schaden würde, aber wie wäre es dann mal, die Dinge beim Namen zu  nennen, ohne alle in einen Topf zu werfen? Fatih Akin braucht keinen  Integrationshelfer, Hilal Sezgin auch nicht, Naika Foroutan, Cem  Özdemir, Halima Krausen, <span>Hamideh Mohagheghi, </span><span>Hatice Akyün, </span><span>Katajun Amirpur, </span><span>Lamya Kaddor, </span><span>Aiman Mazyek, </span>Feridun Zaimoğlu<span>, </span>Abdul Hadi Christian Hoffmann, Jamal Malik &#8211; keiner von denen (und das waren jetzt nur ein paar Promis).</p>
<p>Also,  was soll das? Als Stammtischbruder darf man so reden, aber doch bitte  nicht als Innenminister! Da muss sich noch was tun, lieber Herr  Friedrich.</p>
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		<title>Religiös gefärbte Brille</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 08:13:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Gotteskrieger]]></category>
		<category><![CDATA[Koran]]></category>
		<category><![CDATA[Mubarak]]></category>
		<category><![CDATA[Navid Kermani]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Unterdrückung der Frau]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Frankfurter Rundschau fand sich vor einigen Tagen ein langes Interview mit einem meiner Lieblingsintellektuellen, dem Kölner Islamwissenschaftler Navid Kermani (der übrigens gerade die Martin-Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen bekommen hat), in... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/03/16/religios-gefarbte-brille/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>In der Frankfurter Rundschau fand sich vor einigen Tagen <a href="http://www.fr-online.de/kultur/zaertlichkeit-der-massen/-/1472786/7205722/-/index.html">ein langes Interview</a> mit einem meiner Lieblingsintellektuellen, dem Kölner Islamwissenschaftler <a href="http://www.navidkermani.de/view.php?nid=0">Navid Kermani</a> (der übrigens gerade die <a href="http://www.mt-online.de/start/letzte_meldungen_aus_der_region/4303453_Minden_Buber-Rosenzweig-Medaille_fuer_Islamwissenschaftler_Navid_Kermani.html">Martin-Buber-Rosenzweig-Medaille</a> verliehen bekommen hat), in dem Kermani die Proteste in der Arabischen  Welt, den Umsturz in Ägypten und unseren Blick auf den Nahen Osten  analysierte und dabei auf einen ganz wichtigen Aspekt hinweist. Ich  zitiere:</p>
<blockquote><p>&#8220;Was in Aegypten  passiert, wird bei und durch eine religioes gefaerbte koloniale Brille  betrachtet. Es ging aber in Aegypten nicht um Religion. Die realen  Probleme haben nichts mit einem &#8220;Aufmarsch der Gotteskrieger&#8221; zu tun.  (&#8230;)</p>
<p>Wir  aber ignorieren vollstaendig alle anderen, sozialen, politischen,  oekonomischen Zusammenhaenge und stellen die Ereignisse stattdessen  ahistorisch in einen religioesen Sinnzusammenhang: Die sind so, weil der  Islam so ist. Das ist nichts anderes als Gegen-Fundamentalismus.&#8221;</p>
<p>Die Religion ist dabei einer von vielen Faktoren; sie ist weder die alleinige Ursache, noch ist sie die Loesung.</p>
<p>Die  realen probleme Aegyptens sind Geburtenexplosion, Niedergang des  Bildungswesens, Verarmung der Mittelklasse, radikaler Marktliberalismus,  katastrophale Versorgungslage, patriarchalische Strukturen,  Unterdrueckung der Frauen und ein Fehlen von Selbstbestimmung, von  Kreativitaet, von Freiheit auf allen Ebenen, angefangen in der  Grundschule bis zur Staatsspitze.</p></blockquote>
</div>
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		<item>
		<title>Als Broder, Sarrazin und Co. an die LSE kamen</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 16:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Henryk M. Broder]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>
		<category><![CDATA[Ali Kizilkaya]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[Hellmuth Karasek]]></category>
		<category><![CDATA[Henryk Broder]]></category>
		<category><![CDATA[London]]></category>
		<category><![CDATA[London School of Economics]]></category>
		<category><![CDATA[LSE]]></category>

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		<description><![CDATA[Henryk Broder, Thilo Sarrazin, Hellmuth Karasek und Ali Kizilkaya diskutieren an der LSE in London. Ueber Integration in Deutschland. Dass das keine ausgewogene Diskussion werden wuerde, war zu erwarten. Dass... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/02/21/als-broder-sarrazin-und-co-an-die-lse-kamen/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Henryk Broder, Thilo Sarrazin, Hellmuth Karasek und Ali Kizilkaya  diskutieren an der <a href="http://www2.lse.ac.uk/home.aspx">LSE</a> in London. Ueber Integration in Deutschland. Dass  das keine ausgewogene Diskussion werden wuerde, war zu erwarten. Dass  Publikum und Protestanten wuest beschimpft wuerden, es vor dem  Veranstaltungssaal fast zu einer Schlaegerei gekommen waere, vielleicht  eher nicht. <em>Friedrich</em>, der mit mir studiert, meinte, er habe  sich danach einfach nur geschaemt, fuer sein Land. Und kaum einer meiner  Freunde und Bekannten aus England, Kanada, den USA konnte verstehen,  was fuer &#8220;Intellektuelle&#8221; wir uns da in Deutschland halten.</p>
<p>Am  vernuenftigsten scheint Kizilkaya geredet zu haben. Man muss &#8220;Anderssein  akzeptieren&#8221;; viele der Probleme, die man mit &#8220;Tuerken&#8221; in Deutschland  habe, seien Schichtenproblem und nicht kultureller oder religioeser Art &#8211;  so weit, so unspektakulaer. Die Anmerkung, dass man sich mit der  Islamkonferenz einen &#8220;Islam auf Bestellung&#8221; zurecht machen wollte, war  da wohl schon fast revolutionaer.</p>
<p>Auch von Broder kam nichts  wirklich Ueberraschendes. Deutschlands Haltung gegenueber dem Islam ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Appeasement-Politik"> &#8220;appeasement&#8221;</a> (na klar), Migration an sich ist kein Problem, sondern der  Islam (ja genau), was man daran sieht, dass es mit Persern und Aleviten  keine Probleme gaebe (was fuer eine differenzierte Sicht der Dinge, ich  bin beeindruckt).</p>
<p>Und auch Sarrazin fuhr die Schiene, die man halt so von ihm gewoehnt ist: Deutschland wandelt sich, das waere normal, aber an <em>diesem</em> Wandel sei nichts Gutes (wo lebt der Mann?).</p>
<p>Wir halten fest:</p>
<p>(1) <strong>Zur</strong> <strong>Zusammenstellung der Podiumsgaeste:</strong> Nun, ja. Ausgewogenheit sieht anders aus. Man haette ja einen der  beiden, Broder oder Sarrazin einladen koennen &#8211; und dazu dann jemanden,  der den beiden richtig gut kontern kann. Und jemand, der was von  Migration in Deutschland weiss, haette auch nicht nur einen Tuerken,  einen Muslim eingeladen, sondern einen Vertreter einer anderen  Migrantengruppe. Das waere zumindest ein Versuch gewesen, von dieser  unleidlichen Islamfixierung der deutschen Integrationsdebatte weg zu  kommen. Ausserdem waere es schoen gewesen, wenigstens eine Frau und /  oder einen juengeren Diskussionsteilnehmer auf dem Podium sitzen zu  haben. Sarrazins, Broders, Karaseks, Kizilkayas Deutschland &#8211; das ist  nicht unser Deutschland.</p>
<p>(2) <strong>Broder</strong> spielt wirklich auf unterster Liga. Auf seinem Blog heulte er, die LSE habe &#8220;gekniffen&#8221; und die Veranstaltung <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/lse_kneift/">aus Feigheit abgesagt</a>,  dabei letztes Jahr aber kein Problem gehabt, Ghaddafi einzuladen.  Ghaddafi hat per Videouebertragung an der LSE gesprochen, so wie eine  ganze Reihe auslaendischer Staatsfuehrer das regelmaessig machen. Als  Beispiel haette der gute Herr Broder dann vielleicht doch lieber den  Vortrag des Herausgebers der arabischen Zeitung Al-Quds al-Arabi Abdel  Bari Atwan, der fuer seine kontroversen Aussagen zur HAMAS bekannt war,  erwaehnen sollen. Nach Protesten und ner Menge Aufruhr waehrend der  Veranstaltung wurde der zweite Teil des Vortrags aus Sicherheitsgruenden  abgesagt. Genau wie dieses Mal. Einmal sind die HAMASis dran, einmal  die Islamopaniker &#8211; was hat das mit Feigheit oder Blindheit auf dem  muslimischen Auge, wie Broder unterstellt, zu tun?!</p>
<p>(3) Und warum <strong>Broder</strong>,  der ausfaellig wird, poebelt, und denen, die nicht konform mit ihm  gehen, fast eine auf die Nase haut, warum der so viel besser sein soll  als die testoterongetriebenen Jugendlichen mit deutscharabisch- oder  -tuerkischem Hintergrund in Deutschlands Staedten, ueber die der Gute  sich so gerne beschwert &#8211; das muss mir erst noch einmal einer erklaeren.</p>
<p>(3) <strong>Bleibt zu hoffen:</strong> Dass die alten, selbstgerechten Maenner bald abtreten. Euer Deutschland  ist nicht unser Deutschland. Und wenn einer wie Hellmuth Karasek froh  ist, &#8220;zu alt zu sein&#8221;, um &#8220;das Schlimmste&#8221;, was Deutschland bevorsteht,  noch zu erleben, dann tut der Mann mir Leid. Was waere Berlin ohne seine  deutsch-tuerkischen Baeckereien, in denen man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Simit"><em>simit</em></a> und  Kaiserbroetchen kaufen kann; was waere Frankfurt ohne seine indischen  Restaurants, in denen das Essen fast besser schmeckt als in Indien; oder  Muenchen ohne seine italienischen Restos, in denen sowieso fast nur  Inder in der Kueche stehen? Was wuerden wir machen ohne einen Wladimir  Kaminer, ohne Rafik Schami, Herta Mueller, Fatih Akin?</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein blonder Sayyid, ein englischer Shaykh, Facebook und der Prophet</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Feb 2011 06:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Shaykh Ahmed Saad]]></category>
		<category><![CDATA[Shaykh Zahir Mahmood]]></category>

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		<description><![CDATA[Habib Allah &#8211; The Beloved of Allah Shaykh Ahmed Saad / Shaykh Zahir Mahmood London, 4. Februar 2011 Ein Vortrag über Habib Allah, den Propheten? Ich war etwas skeptisch. Nicht... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2011/02/16/ein-blonder-sayyid-ein-englischer-shaykh-facebook-und-der-prophet/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><em>Habib Allah &#8211; The Beloved of Allah<br />
Shaykh Ahmed Saad / Shaykh Zahir Mahmood<br />
London, 4. Februar 2011</em></p>
<p>Ein Vortrag über Habib Allah, den Propheten? Ich war etwas skeptisch. Nicht dass das Thema unwichtig wäre. Aber nach dem fünften Buch, dem siebten Vortrag dazu schien es mir eher unwahrscheinlich, noch viel Neues dazu zu lernen.</p>
<p>Meine Skepsis verstärkte sich, als ich mit dem Lieschen im Schlepptau, den Saal betrat und links die Frauen und rechts die Männer saßen. Hm. Ich setzte mich zu den Frauen; die Veranstaltung hatte schon begonnen, oben auf dem Podest saß einer und rezitierte sehr klangvoll aus dem Qur&#8217;an. Langsam trafen die beiden Referenten ein. Beide trugen sie lange, weite Gewänder in dunkelgrün, erdbraun, weiß, schwarz, dazu Turban und Vollbart. Sie wurden kurz vorgestellt von einem jungen Studenten, der zu seinem Minibart ein weißes Käppchen, langes dunkles Gewand und Turnschuhe trug. Auf Facebook habe er die beiden ausfindig gemacht, das sei ja heute alles viel einfacher als früher, <a href="http://www.gutefrage.net/frage/subhanallah-welche-bedeutung-hat-das-arabischen-wort" target="_blank">subhanallah</a>!</p>
<p><a href="http://www.radicalmiddleway.co.uk/speakers/scholar/imam-shaykh-ahmed-saad" target="_blank">Einer der beiden Referenten</a>, ein blonder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sayyid" target="_blank">Sayyid</a> aus Ägypten, der an der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Azhar-Universit%C3%A4t" target="_blank">al-Azhar</a>, in Deutschland und Kalifornien studiert hatte, sprach als erstes. Hörte sich alles ganz vernünftig an. Dann war <a href="http://www.as-suffa.org/About/Scholars/shaykh-zahir-mahmood.html" target="_blank">der zweite</a> dran. In Großbritannien geboren, hatte er an verschiedenen islamischen (Hoch)schulen in England, Pakistan und Südafrika studiert und schließlich noch einen Bachelor in Theologie von der Universität Birmingham drauf gesetzt.</p>
<p>Er hat ein paar richtig gute Anmerkungen gemacht:</p>
<p><strong>Zum islamischen Staat:</strong> Jetzt, während es in Ägypten revolutioniert, würden viele ja wieder vom islamischen Staat sprechen, als wäre, wenn Ägypten ein islamischer Staat wäre, alles gut. Er halte nichts von einem solchen Schwarz-Weiß-Denken: &#8220;Vergesst nicht&#8221;, meinte er, &#8220;ein islamischer Staat, der besteht auch nur aus mir und euch; ob und wie gut er ist, hängt von den Menschen ab, die in ihm leben&#8221;.</p>
<p><strong>Zur Pluralität der Meinungen im Islam:</strong> Die müsse akzeptiert werden. &#8220;It&#8217;s just me and my boys &#8211; and everybody else goes to hell&#8221; wäre einfach nicht <em>the way to go</em>.<br />
<strong><br />
Zur Kategorisierung der Muslime in Praktizierende und Nicht-Praktizierende: </strong>&#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Masha%27Allah" target="_blank">Mashaallah</a>, er praktiziert den Islam!&#8221; &#8211; was heißt das überhaupt, &#8220;er praktiziert&#8221;? Man solle, so der Shaykh, viel öfter hinterfragen, wie man eigentlich spricht. Woran sieht man, dass jemand praktiziert? Am Bart? Daran, dass er manchmal betet? Am Kopftuch? (Hier hatte er wahrscheinlich die meisten Lacher auf seiner Seite &#8211; als er meinte: &#8216;Vor allem, wenn es &#8220;upstairs <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hijab" target="_blank">hijab</a> and downstairs Holly- or Bollywood&#8217; ist&#8221;.)<br />
<strong><br />
Dazu, wie die Religion oft als Vorwand genommen wird: </strong>Wie kommt es, meinte er, dass so viele bereit sind, &#8220;für den Islam zu sterben&#8221;, aber längst nicht so viele, im Einklang mit dem Islam zu leben?</p>
<p>Da stand er also, der Shaykh aus England, der in Südasien, Südafrika und Mittelengland studiert hatte, stand da in seinem traditionellen Gewand, mit Turban und Bart in dem großen, weiß gestrichenen Saal, unter ihm gewachstes Parkett, über ihm die Stuckdecke &#8211; und wenn das nicht Ost und West in bester Harmonie waren &#8230; dann weiß ich auch nicht weiter.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Migrationshintergrund mal anders&#8230;</title>
		<link>http://www.aggromigrant.com/2010/12/23/migrationshintergrund-mal-anders/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 06:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Asiaten]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwarzköpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Türken]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Sag mal, Lieselotte&#8221;, hat mich letztens jemand gefragt, &#8220;bist du eigentlich Deutsche oder hast du einen Migrationshintergrund?&#8221;. Mein erster Gedanke war &#8220;Deutsche &#8211; ha ha ha, auch wenn&#8217;s nicht danach... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2010/12/23/migrationshintergrund-mal-anders/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Sag mal, Lieselotte&#8221;, hat mich letztens jemand gefragt, &#8220;bist du eigentlich Deutsche oder hast du einen Migrationshintergrund?&#8221;.</p>
<p>Mein erster Gedanke war &#8220;Deutsche &#8211; ha ha ha, auch wenn&#8217;s nicht danach aussieht&#8221;, aber dann fiel mir ein, dass ich ja doch einen Migrationshintergrund habe. Auch wenn es nicht die Art Migrationshintergrund war, an die der, von dem die Frage kam, gedacht hatte, auch wenn ich nicht mit türkischen Vätern, arabischen Onkeln oder afrikanischen Grossvätern dienen konnte: Ich habe einen Migrationshintergrund.</p>
<p>Meine Grossmutter war längst noch keine zwanzig, als sie damals aus Mitteleuropa nach Westdeutschland vertrieben wurde. Sie sprach die gleiche Sprache wie die Menschen in ihrer neuen Heimat (wenn auch einen anderen Dialekt), hatte die gleiche Religion und sah nicht viel anders aus, aber die Integration war nicht leicht. Ich kenne Heimatvertriebene, die bis heute den gar nicht so freundlichen Empfang durch ihre Landsmänner nicht vergessen haben.</p>
<p>Das ist einer der Gründe, weshalb ich allergischen Ausschlag bekomme, wenn ich höre, wie das Wort Migrationshintergrund in Deutschland benutzt wird. Da wird in den seltensten Fällen einfach nur nach Migration gefragt. Migranten, das sind bei uns die Türken, Araber, Griechen, Italiener, Afrikaner, Russen. Alles, was da halt so aus dem Süden oder Osten kam. Der Freund meiner Schwester, der vor ein paar Jahren aus den USA nach Deutschland kam und soweit ich das einschätzen kann, in der nächsten Zeit nicht vorhat, wieder zu verschwinden, ist kein Migrant; den würde keiner so nennen. <em>Emmanuel</em>, der an meiner Uni in Deutschland studiert hat und sich dann entschieden hat, nicht nach Frankreich zurückzugehen, sondern in Deutschland zu arbeiten &#8211; wer würde den einen Migranten nennen?</p>
<p>Nein, Migranten, das sind die Schwarzköpfe. Die Orientalen, die Ost- und Südeuropäer, die Afrikaner und Asiaten, die, die man eigentlich nicht haben will, die, die ein Problem sind. Das Wort mag freundlicher sein als der Begriff <em>Ausländer, </em>das für die gleiche Gruppe benutzt wird, aber oft einfach falsch ist, weil viele der &#8220;Ausländer&#8221; in Deutschland schon lange einen Pass haben, aber solange der Migrationshintergrund von Zainab, Onur und Mischa mehr Migrationshintergrund ist als meiner, stimmt da was nicht.</p>
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		<title>Islam = Arabische Religion?</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 09:18:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[arabische Christen]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Religion]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich habe auf meinen Artikel Gibt es eine deutsche Religion? einen freundlichen Kommentar von Anonym erhalten. Unter anderem heisst es darin: &#8220;Der Islam ist auch keine deutsche Religion, sondern eine... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2010/12/20/islam-arabische-religion/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe auf meinen Artikel <a href="http://www.aggromigrant.com/2010/07/05/gibt-es-eine-deutsche-religion/" target="_blank">Gibt es eine deutsche Religion? </a>einen freundlichen Kommentar von Anonym erhalten. Unter anderem heisst es darin:</p>
<p>&#8220;Der Islam ist auch keine deutsche Religion, sondern eine arabische. Deswegen sollte man auch arabisch lernen, um den Koran besser zu verstehen (&#8230;).&#8221;</p>
<p>Das ist ein wichtiges Thema, deswegen hier meine Antwort:</p>
<p>&#8220;Der Islam ist eine arabische Religion? Warum?</p>
<p>Weil der Koran auf Arabisch geschrieben ist? Ist dann das Christentum auch eine hebraeische (Altes Testament) oder griechische Religion (Neues Testament)?</p>
<p>Oder ist der Islam eine arabische Religion, weil er seine Wurzeln auf der arabischen Halbinsel hat? Dann ist aber auch das Christentum nicht deutsch, sondern genuin nahoestlich, das kommt naemlich aus der gleichen Ecke.</p>
<p>Oder ist der Islam arabisch, weil Muhammad Araber war und Arabisch sprach? Der Logik zufolge waere das Christentum aramaeisch, weil das hoechstwahrscheinlich die Sprache ist, die Jesus sprach.</p>
<p>Oder dachtest du an all die Muslime, die Araber sind? Nun ja. Was aber ist mit arabischen Christen und Juden? Oder mit all den Muslimen, die keine Araber sind? Es wird geschaetzt, dass etwa ein Viertel der Muslime Araber sind. Die zahlenmaessig groesste Gruppe unter den Muslimen sind die Indonesier. Der Islam &#8211; eine arabische Religion?&#8221;</p>
<p>(Dass Arabischsein und Muslimsein mehr oder weniger das Gleiche ist, glauben uebrigens nicht nur freundliche Kommentatoren auf meiner Seite, dem Glauben haengt auch so mancher (arabische) Muslim an, der nervoes wird, wenn er Muslime trifft, die z.B. keinen arabischen Vornamen haben. Oder die Sorte von neuen Muslimen, die meinen, sie waeren erst so richtig muslimisch, wenn sie sich kleiden wie sie davon ausgehen, dass man sich auf der Arabischen Halbinsel vor ich weiss nicht wievielen Jahrhunderten kleidete. )</p>
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		<title>Dreimal Islam an der Uni</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 06:24:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lieselotte</dc:creator>
				<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[beten]]></category>
		<category><![CDATA[Islamische Hochschulgruppe]]></category>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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		<description><![CDATA[Der erste term meines Studienjahres in London ist vorbei und weil ich hier in London bin, kam ich zum ersten Mal in meiner Uni-Laufbahn in den Genuss, das term-Ende mit... <span class="meta-more"><a href="http://www.aggromigrant.com/2010/12/17/dreimal-islam-an-der-uni/">Weiterlesen &#187;</a></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der erste term meines Studienjahres in London ist vorbei und weil ich hier in London bin, kam ich zum ersten Mal in meiner Uni-Laufbahn in den Genuss, das term-Ende mit einem von der Islamischen Hochschulgruppe organisierten Gemeinschaftsgebet zu feiern. Ich war baff. Da, wo ich bisher studiert habe, gab&#8217;s so was nicht.</p>
<p>An meiner Uni irgendwo in einer nicht extrem großen Stadt in Ostdeutschland gab es so gut wie keine Muslime. Ich kannte ganz lange nur zwei, Louis aus dem Senegal und Abduh aus Ghana, die aber beide schon viel älter als ich und nicht mehr an der Uni waren. Dafür kannte mich an der Uni jeder, weil es nur ein Kopftuch gab, meins. Irgendwann hat mich dann Anna auf der Straße angesprochen. Sie war Russin, zum Islam übergetreten, studierte auch an meiner Uni und über sie lernte ich die anderen kennen: ein Mädchen aus Polen, die auch Muslimin geworden war, zwei Usbeken, für eine Weile waren auch zwei deutsche Türken mit dabei. In unserer Stadt gab es islammäßig nichts, keine Moschee, keine Vereine, kein halal Fleisch zu kaufen, ich kannte nicht mehr als zwei muslimische Familien. Unsere Islamische Hochschulgruppe haben wir uns selbst gegründet, und als wir dann einer nach dem anderen die Uni verlassen haben, war das das Ende unserer Gruppe.</p>
<p>Dann bin ich zum Studium nach Frankreich. Dort gab es plötzlich massenweise Muslime in meiner Stadt, halal Fleisch an jeder Ecke und auch genug Moscheen, aber an meiner Uni (einer sogenannten Elite-Uni) gab es nur wenige Kulturmuslime und noch weniger, die sich über das Minimum hinaus für ihre Religion interessierten. Ich kannte nur zwei, Dina aus Ägypten (das war Kopftuch Nummer zwei, es gab noch ein drittes) und Imran, einen syrischen Franzosen, mit dem ich zwischen den Vorlesungen durch das Unigebäude geschlichen bin, auf der Suche nach einer Ecke zum Beten. Auch dort: keine Islamische Hochschulgruppe (wir haben eine gegründet, aber als wir nach einem Jahr weg waren, gab es auch diese Gruppe nicht mehr).</p>
<p>Hier in London ist alles anders. Zwar bin ich auch die einzige Schleiereule an meiner Fakultät, an der Hunderte studieren, aber sonst an der Uni kommt einem immer mal wieder ein Kopftuch entgegen geweht. Es gibt einen schönen, geräumigen Gebetssaal mit kleiner Bibliothek, einer Sitzecke, sogar eine Mikrowelle steht da in der Ecke. Viele kommen nicht nur zum Beten, sondern auch zum Essen, Lernen, Quatschen und zu Hochzeiten (Hooooochzeiten, nicht Hochzeiten mit kurzem o) ist der Raum mit fünfzehn, zwanzig Mädels voll. Es gibt regelmäßige Veranstaltungen, die sich an Muslime und Nicht-Muslime wenden und auch die Internationalität ist beeindruckend: Großbritannien, Irland, Bangladesh, Pakistan, Indien, Sri Lanka, Palästina, Syrien, Jordanien, Ägypten, USA, Mauritius, Ghana, Sudan, Somalia &#8211; sind alle vertreten, seit Neustem auch Deutschland.</p>
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