13

Narrenfreiheit der Büttenrede – Narrenfreiheit dem Rassismus?

Ich muss es ehrlich zugeben, ich bin kein großer Fan von Fasching. Ich kann weder mit „Helau“ noch mit „Alaaf“ etwas anfangen und was eine Büttenrede ist, wusste ich bis zu dem heutigen Tag nicht und will es ehrlich gesagt immer noch nicht wissen. Ob es wohl an meiner ersten Erfahrung mit Karneval liegt,  in der meine Mutter während eines Umzugs dreist dazu aufgefordert wurde, nach hinten zu gehen, wo Ausländer hingehören? Man weiß es nicht so ganz genau, sicher ist aber, dass dies meine letzte Erfahrung mit der 5. Jahreszeit  war… bis heute.
Manchem Wissen kann man sich leider Gottes nicht entziehen. Genau so wenig, wie man sich während der Schulzeit der Kurvendiskussion entziehen konnte, kommt man heutzutage nicht mehr um den Karneval herum, besonders dann nicht, wenn geschmacklose und rassistische Büttenreden á la „Ayse vom Döner TV“ über Integration gezeigt werden.
Gegenstand meines heutigen Ärgernisses ist eine vom ARD (zum Glück wieder raus genommen) und dem HR ausgestrahlte Sendung namens „Frankfurt Helau“ in der eine Zahnärztin namens Patricia Lowin eine Türkin namens Ayse mimt und sich über Integration lustig macht. Acht Minuten lang wird jedes Klischee, das man je über Türken gehört hat, zum Besten gegeben und es wird schamlos über jeden noch so schlechten Witz gelacht. Sei es der Bruder Ahmed, der „bei geschlossene Sendeanstalt in Weiterstadt, Festanstellung auf 10 Jahre ohne Bewährung“ arbeitet oder ihre eigene Arbeitstelle als „Putzfrau bei ZDF“.

Das bei so viel Geschmacklosigkeit nicht nur mir die Frühstückssemmel im Hals stecken bleibt sondern auch dem hessischen Landesausländerbeirat, ist nicht verwunderlich, und das dieser auch dagegen protestiert noch weniger angesichts solcher Witze wonach auf es auf türkischen Basaren keine Toiletten gibt, denn „da bescheißt jeder jeden“. Beschissen steht jetzt vor allem der Hessische Rundfunk da, muss er sich jetzt gegen Rassismusvorwürfe auch aus der Türkei wehren. Dabei ist doch alles nur Spaß und Witzigkeit, denn an Karneval ist ja bekanntlich alles erlaubt. Schade, dass Sarrazins Machwerk „Deutschland schafft sich ab“ nicht ebenfalls in dieser ach so heiteren Jahreszeit veröffentlicht wurde denn so hat er sich selbst um eine der besten Ausreden der Welt, die Narrenfreiheit, gebracht.

Dass „Ayse vom Döner TV“ noch lange nicht so harmlos ist, wie sie gerne vom HR dargestellt wird zeigte sich spätestens dann, als sich „unsere lieben Freunde von PI“ (nicht die Zahl sondern Politically Incorrect) einschaltet hatten und schön laut gegen diese „Muselmanen und Mohammedaner“ wetterten, die ihnen ihren ach so schönen Spaß verdarben, die Freude, Rassismus endlich einmal offen ausleben zu können, denn „Das muss doch mal gesagt werden…“
Gräbt man jedoch ein wenig in der Vergangenheit, kommen plötzlich weniger schöne Seiten des lustigen Helau und Alaaf zum Vorschein. Da der Karneval in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert zurück reicht, kam er natürlich auch nicht an der braunen Jahres… pardon, ich meine natürlich Epoche vorbei. Und wer wurde damals aufs Korn genommen und veräppelt? Genau, die Juden. Da wurden die Juden aus den Karnevallsgesellschaften ausgeschlossen und lustige Lieder über sie gesungen, wie folgendes mit dem Titel „De Jüdde Wandern Uss“:

I.
Et deit sich alles freue,
Mir sinn jetz bahl su wick,
Mir wäde jetz in Deutschland,
Die Jüdde endlich quwitt.
Refrain:
Hurra mer wäde jetz de Jüdde loss,
Die ganze koschere Band,
 Trick nohm gelobte Land.
 Mir laache uns für Freud noch halv kapott,
 Der Izig und die Sahra die träcke fott!
In der Hoffnung, dass sich so mancher Kalauer einmal in dieser fröhlichen Jahreszeit ein Geschichtsbuch zu gemühte führt, wünsche ich allen noch einen rassismusfreien Karneval.

Kategorie: Rassismus


Ähnliche Beiträge:

13 Kommentare

  1. Baldrian sagt:

    Danke für den Beitrag. Der braune Charakter war und ist immer noch ein fester Bestandteil biodeutscher Kultur. Selbst unsere Intellektuellen waren und sind nicht frei davon (siehe Immanuel Kant und seine Rassentheorien).

    Rassismus ist generell kulturgenetisch (tolles Wort oder?) unter nordischen Ethnien fest verankert.

    Aber hey, ich bin da Optimist. Jedes zweite neugeborene Kind hat mittlerweile MIgrationserfahrung. Der Biodeutsche stirb aus und lässt vorher nochmal so richtig seine Verzweiflung über die Immigranten freien Lauf.

    • azrael sagt:

      @ Baldrian
      Es ist sehr wichtig, daß Leute wie du, es uns immer und immer wieder sagen.
      :)

    • Entsetzt sagt:

      Das ist ein Kommentar, so braun, brauner geht es nicht. “Rassismus ist Genetisch in den nordischen Ethnien drin”? und du bist froh wenn sie aussterben? Noch ein Schritt weiter und du bietest deine Hilfe beim Aussterben an.
      Unwertes Leben hm?

  2. Man stelle sich vor, es hätte eine analoge Büttenrede gegeben, in der man jedes Klischee über Juden durchgehechelt hätte.
    Klar, dass das so hochgekocht wäre, dass sogar die Ministerpräsidentin von NRW hätte zurücktreten müssen.

    Warum? – Jeder hätte gesagt: Angesichts der massenmörderischen Geschichte ,,, etc.

    Im Falle der Türken bzw. Muslime gibt es kein Auschwitz, aber die Erinnerung an die 9 NSU-Morde ist noch recht frisch, und sogar der Innenminister von Bayern, Herrmann, stellt besorgt fest, dass in gewissen Kreisen diese Morde verherrlicht werden und sich die rechtsextreme Szene an ihren Helden berauscht.

    Also, die Sache ist noch ziemlich heiß. Es wär kein so großes Problem, wenn man die Franzosen durch den Kakao zöge. Aber schon bei den Griechen wär ich im Moment vorsichtig. Die leiden, auch unter unserer Politik. Da kommt der Witz eher als Hohn rüber, auch wenn man das vielleicht nicht so gemeint hat.

  3. Der Iraner sagt:

    Kann in jedem Punkt nur zustimmen!

  4. CERN sagt:

    Die üblichen Verteidigungsversuche bei PI lautet folgendermaßen:

    “Moslems haben keinen Humor”
    “Türken können halt nichts dafür. Ihre Religion verbietet Selbstkritik”

    Schon ironisch, dass Deutsche anderen Völkern Humorlosigkeit vorwerfen, vorallem wenn man bedenkt, dass der deutsche “Humor” auf Schadenfreude basiert und daher vorwiegend von dem “sich über andere lustig machen” abhängt.

  5. erkut sagt:

    Haben die deine Mutter angemacht nur weil du Türke bis??????? …die sollen alle erstmal nüschtern werdenin ihren Kostümen.

  6. Lutherus sagt:

    Liebe Frau Neda, du schreibst, dass du weder weisst was eine Büttenrede ist noch Ahnung von Fasching Ahnung hast (was stimmt, denn es geht um Karvenal). Aber du weisst nach einem Klick und hören-sagen; alles ist ein Nazisumpf. Beweismittel? Eine Liedzeile der Nazizeit.

    Wenn du Ahnung hättest, hättest du hunderte von Jahren Karneval durchleuchtet, und ohne wissenschaftliche Untersuchungen ein zentrales “Opfer” gefunden: die Kirche. Niemand wurde und wird so “verunglimpft” im Karnveal wie die Kirche. Sämtliche Päpste wurden beleidigt und die Kirchenregeln durch den Kakao gezogen. Aber für dich zählen 8 min Satire über Ayse. Wie eng ist dein Weltbild?

    Wenn du Ahnung hättest, hättest du erkannt, womit sich der Karneval 2012 beschäftigt. 8 min Ayse? Stundenlang die Griechen, Hr Wulff, die USA, der Euro, die EU, Bundestagsabgeordnete. Wenn du Ahnung hättest, müsstest du dich darüber aufregen, dass so wenig Witz über Integrationsdefizite stattgefunden hat.

    Lehn dich einfach mal locker zurück, und lach mal über all diese Klischees die es gibt. Soviel humorfreiheit wie du ausstrahlst – eines steht fest, in deinen Adern fließt reindeutsches Blut.

  7. Sinan A. sagt:

    Hier,
    ich versteh was vom Karneval, sicher mehr als die allermeisten Wutbürger, die jetzt über die Meinungsfreiheit jubeln.

    Die Darbietung von Patricia Lowin war mit Sicherheit nicht normal. “Durch den Kakao ziehen”, wie IG meint, kann man das kaum nennen, das hätte ja was neckisches, durch die Scheiße wäre der richtige Ausdruck. Die Fäkal-Anspielungen kamen gleich zweimal. Die von Nedya zitierten fehlenden Toiletten auf dem Basar, weil da jeder jeden bescheißt, war sogar die Schlusspointe. So zieht sich das praktisch durch den ganzen Vortrag. Völlig untypisch für den etablierten Karneval und so noch nicht gesehen.

    • Rajiv sagt:

      Liebe Nele, Da hier neuerdings ierdkt kommentiert werden kann – der Umweg Ge4stebuch war mir zu nervig – ein paar Gedanken. Haben die geschilderten Erfahrungen etwas damit zu tun, dass bis vor ungefe4hr einem Jahr das Wort Feminismus hier tabu war? Ich habe diese Seite 2002 entdeckt und komme regelme4dfig vorbei. Mein Highlight ist und bleibt die Puderzuckerverschwf6rung. Wie Du aufdrf6selt, wie Pro 7 die Frauen verarscht, ist zum Brfcllen komisch. Aber manchmal habe ich hier die Konsequenz vermisst. Ab und zu ein lautstarkes Bekenntnis: Ich bin eine Feministin. Nach der Kolumne fcber die Sauschneider hat eine Frau die Seite hier verlinkt und geschrieben: Vorsicht anspruchsvolles Kabarett . Ich weidf nicht mehr, wo das war. Wenn ich jetzt fcber den c4rger lese, den Dir Deine Kolumnen eingebracht haben, verstehe ich natfcrlich Deine Zurfcckhaltung. Nur warum neuerdings nicht mehr? Mir ist auch aufgefallen, dass Dein Ton sche4rfer geworden ist. Gibt es Zusammenhe4nge? Oder ist das Zufall? LG Selma Selma

  8. Helau sagt:

    Soll ich ne Lichterkette organisieren?

  9. Alaya sagt:

    Keine Worte mehr (ist immerhin mehr als der Rest der Besucher scirehbt )Nein, im Ernst, auf mich wirken die Bilder irgendwie total surreal. Solche Landschaften sehen doch eher nach kfcnstlerisch gestaltet aus und nicht nach durch seismologisch und was weidf ich noch bedingte Einflfcsse fcber Jahrmillionen hervorgebracht.Einmal mehr mein Kompliment zu so tollen Aufnahmen, obwohl es wahrscheinlich auch wirklich schwierig we4re solche Wunder der Natur he4sslich darzustellen .

Hinterlasse einen Kommentar

Absenden

© 2012 AggroMigrant.
.

Switch to our mobile site