Nicht lange sind die Taten eines gewissen Herr Breivik in Norwegen her. Es wurden genug Mahnwachen abgehalten und auch andere soziale Aktivitäten erinnern regelmäßig an diese grauenhafte Tat.
In unserem lieben Nachbarland Dänemark hat sich ein Mann das Thema ziemlich zu Herzen genommen und möchte nun ein Theater-Stück über die Vorfälle auf der norwegischen Insel Utoya aufführen.
Der dänische Dramatiker Christian Lollike ist dafür bekannt, dass er mit dem vorhersehbaren Theater auf Kriegsfuß steht. Das zeigt er auch mit seinem neuesten Projekt: einem Stück, das verstehen helfen soll, wie der Norweger Anders Behring Breivik, der am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen umbrachte, zum Massenmörder wurde. Der Titel des Stücks, “Manifest 2083″, bezieht sich auf das 1500-seitige Pamphlet “2083: Eine Europäische Unabhängigkeitserklärung”, das Breivik kurz vor seiner Tat an rund 1000 Email-Empfänger versandte. (Quelle)
Woher nimmt man sich die Motivation so ein Projekt in Angriff zu nehmen?
In einem Interview mit der dänischen Tageszeitung “Politiken” erklärt Christian Lollike (Jg. 1973) seine Motive. “Weil es wieder geschehen kann. Weil es um ein Gedankengut geht, das weitere Tragödien heraufbeschwören kann.” Und weil diese “die Einfluss haben auf unser Selbstbild”.
Hier genau fängt das alt bekannte Themen “Meinungsfreiheit – bis wohin?” an. Die einen beschuldigen Lollike mit diese Vorhaben mehr Aufmerksamkeit zu kriegen. Andere berufen sich auf die Meinungsfreiheit. Eine Verbietung dieses Projektes ist aus dänischer Sicht natürlich nicht akzeptabel.
Der kulturpolitische Sprecher der Sozialdemokraten im dänischen Folketing, Flemming Møller Mortensen, sieht dagegen die Kunstfreiheit in Gefahr. Er werde sich dieses Stück zwar nicht ansehen, doch lehne er einen Eingriff in die künstlerische Freiheit auch zu diesem Thema ab.
Natürlich ist jeder Mensch frei und hat auch die Freiheit seine Meinung zu verbreiten. Doch wo hört die Meinungsfreiheit auf? Sollte man nicht an dem Punkt stoppen, an dem andere Menschen in Ihren Gefühlen etc. verletzt werden? Wir sprechen hier über ein Massaker mit 77 getöten Jugendlichen. Hinter diesen 77 Jugendlichen stehen tausende Menschen, die Ihre Kinder, Freunde oder Bekannte bei diesem Vorfall verloren haben. Jetzt wird diese grauenhafte Tat mit einem Theaterstück gewürdigt?
Lollike selbst sieht das Ganze als eine Art Verpflichtung gegenüber den Muslimen.
Ich betrachte es als demokratische Pflicht vor allem gegenüber dem muslimischen Teil unserer Bevölkerung, zu untersuchen, wo dieser Rechtsextremismus herkommt.”
Jetzt kommen irgendwie doch die Muslime ins Spiel. Warum? Muslime und Dänermark…neee das funktioniert nicht so gut, aber Herr Lollike möchte dies anscheinend ändern.
Muslime hin, Muslime her – ich persönlich finde es geschmacklos was Lollike sich hier erlauben möchte. Einfach formuliert: Es kann nicht sien, das man Geld mit Sachen verdient, die anderen Menschen auf solch eine grauenhafte Art und Weise Trauer & Schmerz zubereitet haben. Dies hat nichts mit Zensur der Meinungsfreiheit zu tun, sondern einfach nur mit Menschlichkeit.
Hier sollte sich jeder in die Situation der Eltern versetzen: Wenn das eigene Kind von einem Irren Amok-Läufer gemetzelt wird möchte man so wenig wie möglich diesem Thema Aufmerksamkeit schenken. Man kann soziale Projekte gegen rechte Gewalt etc. in die Welt rufen, aber diese Tat möchte bestimmt niemand von den Angehörigen der Opfer als Theaterstück haben bzw. sehen.




@Quanakke
können Sie ihre Krokodilstränen nicht einfach für sich behalten?
In Dänemark und auch in Norwegen (Vertreter der vom Attentat tangierten Angehörigen haben sich auch schon negativ zu dem Stück geäußert) braucht man ihr Geschwaffel nicht.
Was haben Sie eigentllich selber gegen Herrn Lollike und seiner Aufassung von agressiven Theater? Sie und ihre Mitautoren kämpfen doch (aggromäßig) meistens mit dem ganz schweren Säbel und nicht mit dem Florett.
Wer eine geschmackvolle, tolerante und rücksichtsvolle Diskussionsatmosphäre haben will, soll doch einfach mal auf seiner eigenen Website kehren.
ps
mit dem Kehren meine ich nicht nur die mittlerweile teilweise unterirdischen Kommentrae, sondern auch die Artikel.
Ich weiß zwar nicht, wie viel Geld man mit einem Theaterstück verdienen kann, aber ich kann mir trotzdem vorstellen, dass man sowas auch aus Mitgefühl machen kann.
Ok, gut gemeint ist bekanntlich was anderes als gut, aber ich glaube gerade in der Kunst ist es schwierig zu urteilen, ob etwas nur geschmacklos ist oder auch Sinn macht.
“The guilt-complex of the White man….”
Ehrlich gesagt, muss ich dir zumindest in dem Punkt widersprechen. Die meisten Angehörigen, die einen Menschen durch solch fürchterliche Umstände verloren haben, möchten eben nicht, dass so wenig wie möglich darüber berichtet wird. Sondern, dass es nicht vergessen wird, dass es sich ins kollektive Gedächtnis einbrennt. Denn nur dadurch, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, kann der Wunsch erwachsen, Vorkehrungen gegen Wiederholungen zu treffen.
Die Kunst hat sich schon immer mit Kritischem, Unbequemem und Weltbewegendem auseinander gesetzt. Das Gefällige ist meist keine Kunst, sondern Kommerz. Auch der hat seinen Platz. Aber ich finde es gut, dass es in unserer Welt nicht nur ‘Cats’ und anderes leicht Verdauliches gibt. Die wirkliche Welt besteht eben nicht nur daraus und deshalb ist es gut, dass die Theaterlandschaft das auch abbildet.
Du darfst solche Stücke wie Lollike sie plant, gerne geschmacklos finden. Aber es werden sich sicher andere finden, die das nicht so empfinden. Aber etwas verbieten zu lassen, nur weil es nicht dem eigenen Geschmack(sempfinden) entspricht, finde ich dann doch etwas vermessen und die Entscheidung in Dänemark richtig.
Ehrlich gesagt, muss ich dir zumindest in dem Punkt widersprechen. Die meisten Angehörigen, die einen Menschen durch solch fürchterliche Umstände verloren haben, möchten eben nicht, dass so wenig wie möglich darüber berichtet wird. Sondern, dass es nicht vergessen wird, dass es sich ins kollektive Gedächtnis einbrennt. Denn nur dadurch, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, kann der Wunsch erwachsen, Vorkehrungen gegen Wiederholungen zu treffen.
Die Kunst hat sich schon immer mit Kritischem, Unbequemem und Weltbewegendem auseinander gesetzt. Das Gefällige ist meist keine Kunst, sondern Kommerz. Auch der hat seinen Platz. Aber ich finde es gut, dass es in unserer Welt nicht nur ‘Cats’ und anderes leicht Verdauliches gibt. Die wirkliche Welt besteht eben nicht nur daraus und deshalb ist es gut, dass die Theaterlandschaft das auch abbildet.
Du darfst solche Stücke wie Lollike sie plant, gerne geschmacklos finden. Aber es werden sich sicher andere finden, die das nicht so empfinden. Aber etwas verbieten zu lassen, nur weil es nicht dem eigenen Geschmack(sempfinden) entspricht, finde ich dann doch etwas vermessen und die Entscheidung in Dänemark richtig.