2

Federico: Nicht hier und nicht dort

Ein Italiener in London

Federico kommt aus Italien. Seit letztem Sommer studiert er in London – und findet es schrecklich. Das Wetter, das Essen, das anstrengende Studium und so lange von seiner Mamma weg sein, das ist es einfach nicht. “Meine Freunde schreiben jeden Tag auf Facebook, wie toll es heute wieder am Strand war”, mault er, “und ich hocke hier in London.”

Nord – Süd

Federico stammt aus einem kleinen Ort an der Küste im Süden Italiens. Sein Vater ist Mathematiker, die Mutter stammt aus einer traditionell kommunistischen Familie und ist glühende Feministin und Anti-Berlusconi-erin. Studiert hat Federico in Neapel. Erst Geschichte und Politik und danach, einen Master, Internationale Beziehungen. Als es darum ging, sich ein Thema für seine Bachelorarbeit zu überlegen, war Federico sich sicher, über die Kolonialisierung des Südens Italiens durch den Norden schreiben zu wollen. Begeistert erzählte er seinem Professor von seiner Idee, bis der ihn stoppte: “Hört sich super an! Schreiben wirst du allerdings zur italienischen Aussenpolitik nach 1945.”

Gibt’s nicht

Während seines Masterstudiums konzentrierte Federico sich auf Lateinamerika. Als er fertig war, überlegte er sich, was jetzt kommen sollte. Jobs ausserhalb des Tourismus gibt es in seinem Heimatort kaum. Federico ueberlegte sich, sich für eine Promotion zu bewerben. In Neapel war das nicht möglich. “Promovieren solltest du auf jeden Fall”, riet ihm sein Professor. “Aber bei mir wird das nichts. Ich habe nicht die politischen Beziehungen, die es bräuchte, um an Födermittel zu kommen.” Die Regierung hatte gerade einen Grossteil der Mittel für die Hochschulbildung gestrichen.

Was es gibt

Ein Stipendium für eine Promotion im Ausland bekam Federico nicht, und ohne Förderung war ein noch einmal Jahre dauerndes Studium nicht drin. Für ein einjähriges Masterstudium in London gab es aber Förderung. Mit einem Vollstipendium ausgestattet reiste Federico etwas später also nach Grossbritannien. Bisher war er nur zu zwei Uniexkursionen im Ausland gewesen: einmal in Irland (“war wie in London”), einmal in Griechenland (“ziemlich das Gleiche wie in Italien”).

Zurück nach Italien?

Wie es nach dem Studium weiter gehen soll, weiss Federico nicht. “Ich halte es nicht mehr aus”, stöhnt er, “ich muss zurück nach Italien.” Vom Wetter, dem Essen und der Lebensart abgesehen geht es ihm vor allem um seine Mutter: “Sie wird jetzt langsam alt, und ich bin nicht da für sie – das ist nicht gut”, meint er. Beruflich Fuss zu fassen wird im Süden Italiens schwierig werden. Federicos Schwester hat vor zwei Jahren ihr Jurastudium mit exzellenten Noten abgeschlossen – und ist seitdem arbeitslos. Nach Norditalien, wo es noch eher Arbeit gaebe, will er nicht: “da kann ich ja gleich im Ausland bleiben.”

Nur für ein paar Jahre

Und im Ausland bleiben? Wenigstens für ein paar Jahre? “Nein”, er schüttelt den Kopf, “ich weiss, wie das ist. Man sagt, man geht nur für ein paar Jahre, aber wenn man dann erst mal einen Job hat und Geld verdient, dann bleibt man auch. Kommt jeden Sommer zurück nach Hause und weint sich die Augen aus dem Kopf, dass man nicht mehr da ist. Nein.”

Kategorie: Aggrolumne, Europa, Migration


Ähnliche Beiträge:

2 Kommentare

  1. wordwahr sagt:

    Vieleicht hätte Frederico dann einen Beruf erlernen sollen, der ihm auch etwas bringt.
    Knut aus Schweden konnte auch kein Fuß fassen, mit seiner Firma für Kälteananlagen –
    Will sagen, wer im vorhinein weiß, dass er örtlich in keinsterweise flexibel ist, noch nicht einmal innerhalb des Landes, der sollte vorab einen Beruf wählen, der lokal auch nachgefragt wird. Alles andere ist Frederico selber Schuld, neben seinem hochdotierten Studium mangelte es ihm wohl ein planerischer Weitsicht.

  2. Basti sagt:

    für Frederico tuts mir echt leid. Er hat eine gute schulausbildung und hat viel gelernt. Nicht so wie Mario und Luigi die beide nicht mal die Hauptschule abgeschlossen haben weil sie der Schule verwiesen wurden, da sie Schüler und Lehrer bedrohten. Aber sie verdienen ihren Lebensunterhalt durch staatliche Hilfsprogramme und Drogenhandel.doch ihr Dorfpfarrer hat sie überzeugt ihren glauben richtig auszuleben. Sie haben auch frederico überzeugt einer fundamentalistischen christlichen Sekte beizutreten die jetzt jagd auf alle macht die nicht so glauben.

Hinterlasse einen Kommentar

Absenden

© 2012 AggroMigrant.
.

Switch to our mobile site