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Die jüdischen Deutschen waren integriert

Diese Aussage gehört Pegah Ferydoni. Ist sie euch nicht bekannt? Ferydoni ist in eine in Teheran geborene deutsche Schauspielerin und Sängerin. Bekannt wurde sie mit ihrer Rolle der Yağmur Öztürk in der ARD-Serie “Türkisch für Anfänger“. Die FAZ hat sie zu verschiedenen Themen interviewt. Ein sehr geniales Interview und eine realistische und objektive Frau im Gespräch. Eine der zentralen Aussagen für mich ist folgende:

Zum Beispiel die Sprache, in der wir über den Holocaust sprechen. Man sagt dann ja immer: „Die Deutschen haben die Juden umgebracht.“ Nein: Deutsche haben Deutsche getötet. Die jüdischen Deutschen waren integriert. Wenn man das noch nicht mal sprachlich zugesteht, dann schiebt man die Schuld von sich weg. Ähnlich ist es mit anderen Worten, die stigmatisieren: Man sagt Migrant, meint aber Ausländer. Es wird immer gedeckelt, es wird immer mit so einem Pseudo-Gutmenschtum zugedeckt. Dieser versteckte oder gar gut gemeinte Rassismus stört mich sehr.

Ich bin kein Verfechter der Aussage “Türken sind die neuen Juden!”. Ich hasse es. Wir sind nicht die deutschen Schwarzen und wir sind auch nicht die neuen Juden in Deutschland. Wir sind Türken, Araber bzw. türkischstämmige oder arabischstämmige Deutsche oder muslimische Deutsche, nicht mehr und nicht weniger. Den Juden wurde Schreckliches angetan und ist mit der heutigen Situation der Türken nicht zu vergleichen.

Viel schlimmer finde ich ja die Tatsache, dass die Menschen, die Leid erfahren haben, heute anderen Menschen systematisch Leid zufügen (Israel/Palästina). Ein ähnlicher Völkermord passiert tagtäglich in Gaza zum Beispiel. Und die Welt schaut zu. Das ist jetzt aber nicht unser Thema.

Ferydoni weist auf ein sehr gutes Detail hin. Deutsche haben Deutsche getötet. Die jüdischen Deutschen waren integriert. Ich glaube das muss ich noch nicht einmal kommentieren. Einfach und durchschlagend zugleich. Die Juden von damals waren integriert, konnten die deutsche Sprache und sind nicht mit Kriminalität (Hitler war da ja anderer Meinung) oder mit der Produktion von Kopftuchmädchen aufgefallen. Viele hatten Arbeit und nahmen am gesellschaftlichen Leben teil. Das Ende ist bekannt.

Hier noch einige Aussagen von Pegah Ferydoni:

Aber das Problem ist, dass ich immer nur die gleiche Art von Betroffenheitstürkin spielen darf. So ist die Realität ja gar nicht: Nicht alle Türkinnen, die ich kenne, werden unterdrückt oder zwangsverheiratet oder ermordet.
[...]
Und wie oft ich schon im Film von zu Hause abgehauen bin, das habe ich irgendwann aufgehört zu zählen. Im Kino gibt es mehr Ehrenmorde als in der Wirklichkeit – das ist ein hysterisches Bild, was da konstruiert wird.
[...]
Aber in Deutschland, und das ist typisch deutsch, muss man sich immer entscheiden, was man denn nun ist. In Amerika gibt es das nicht: Als ich dort war, war ich für die hundertprozentige Deutsche und zugleich hundertprozentige Iranerin.
[...]
Man sollte mehr Filme über Neonazis machen statt über Ehrenmorde. Ich möchte mal vom Kino wissen, wer diese 700 000 NPD-Wähler sind, statt ständig von Neukölln, Rütli-Schule, Bildungsarmut zu hören. Neukölln ist ja gar nicht das Problem.

Das ganze Interview findet ihr hier.

Kategorie: Pegah Ferydoni


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10 Kommentare

  1. Den Integrationsscheiß haben wir quasi erfunden, und man hat uns unsere gelungene Integration in Filmen wie “Der ewige Jude” sogar zum Vorwurf gemacht. Man kann noch so integriert sein, wenn man den Rassismus nicht zerschlägt, nützt einem das etwa soviel wie ein Loch im Kopf.

  2. Orientaler sagt:

    Ich finde es sehr gut was Aggromigrant geschrieben hat:

    “Ich bin kein Verfechter der Aussage “Türken sind die neuen Juden!”. Ich hasse es. Wir sind nicht die deutschen Schwarzen und wir sind auch nicht die neuen Juden in Deutschland. Wir sind Türken, Araber bzw. türkischstämmige oder arabischstämmige Deutsche oder muslimische Deutsche, nicht mehr und nicht weniger. Den Juden wurde Schreckliches angetan und ist mit der heutigen Situation der Türken nicht zu vergleichen.

    Nichtsdestotrotz sollten Deutsch-Germanen und der Deutsche Staat endlich mal anfangen mehr von der Vergangenheit, v.a. vom 19 Jhr., vor der Zeit der Nazis, zu lernen. Da war das “integrationsproblem” gang und gebe mit den Juden. Ich meine, die waren ja integriert aber anscheinend noch nicht deutsch genug. Anderswo in Europa hat man im 19. und Anfang 20. Jhr. versucht die Juden im Ackerbau arbeiten zu lassen damit die Juden mehr “integriert” werden. Das ging dann so weit bis viele Europäer (nicht nur Deutsche) gesagt haben: Nee echte Deutsche, Franzosen usw. werden die nie, selbst wenn die genauso arisch aussehen wie wir, deshalb müssen die weg und lass uns mal ne Runde hier alles arisieren. Da hat man den Juden oft z.B. in Polen erzählt “Verpisst euch zurück nach Palästina wo ihr herkommt” und in Deutschland wurden sie von vielen als “Morgenländer” bezeichnet (hierzu alte Filme schauen).

    Wir sind keine Juden aber haben ein ähnliches Problem in und mit Europa…

  3. Kein Bio-Deutscher sagt:

    Guter Artikel über sehr gute Aussagen. Aus der Perspektive hatte ich das nicht gesehen.

  4. Osman: So seh ich das auch. Keine zwei Situationen sind genau gleich, aber man kann einiges aus der Vergangenheit lernen, wie z.B. die Grenzen der Wunderpille “Integration”.

  5. Someone sagt:

    Leider ein Grundlegendes Problem der Menschheit. Gruppenbildung scheint uns in den Genen zu liegen. Leider werden dabei andere Gruppen von der Masse oft und fälschlicherweise als schlechter dargestellt.
    Gruppen bilden sich auch unter deutsch Deutschen und die bekämpfen sich auch (klassisch: Hooligans). Integration beschäftigt sich damit, wie man Gruppenunterschiede möglichst reduziert und die Akzeptanz zwischen den Gruppen zu fördern.

    Zum Holocaust:
    Mir ist verdammt nochmal egal ob Deutsche die Juden umgebracht haben oder sonstwen. Es ist ganz einfach abscheulich, dass Menschen ermordet werden. Für mich ist der einzige akzeptable Grund für Mord/Gewalt die Prevention von anders nicht vermeidbarem großem Leid. D.h. im Fall von A.H. wär ein vorzeitigeres Ableben seinerseits in jeder Hinsicht gerechtfertigt gewesen.

  6. Özi sagt:

    hallo in die runde,

    ich finde die aussagen auch sehr treffend.
    es ist wirklich so, dass man das gefühl hat, dass man sich in deutschland niemals wirklich integrieren kann und niemals ein teil von den “deutschen” wird.
    wenn ein land sich nicht als zuwanderungsland sieht und sich vehement dagegen wehrt-trotz der demographischen entwicklungen-dann bleibt ein ziemlich mulmiges gefühl…

    es sind noch zuviele politiker auf stimmenfang von alten leuten-die nunmal die mehrheit dieser gesellschaft bilden-und immer noch anders denken, als vielleicht die jüngere generation und die auch wählen gehen. in zehn bis fünfzehn jahren wird es aber diese “alten” nicht mehr geben. und wer dann in deutschland alles leben wird bei den niedrigen geburtenzahlen ist auch eine interessante frage.

    erst in den letzten jahren ist ein wandel zu spüren und das nicht zuletzt auch wegen der globalisierung, weil die welt nunmal eine kugel ist und wir alle darauf sitzen. mit hinz und kunz.

  7. Özi sagt:

    PS: ich war letzte woche bei einem deutschen alteingesessenen noblen anwalt wegen einer familiensache. er hat in seinem ganzen leben noch keinen türken bzw. keine türkin gesehen – und das in köln!!- und hat sich bei dem türkischen städtenamen, den ich genannt habe gefreut, weil er gedacht hat, ich wäre eine armenierin!!??

    wieso freut sich ein deutscher anwalt eine armenierin aus der türkei vor sich zu haben?
    ist das besonders spannend als eine türkin, die in köln aufgewachsen ist?

    ich habe mich nur bestätigt gefühlt, wer alles CDU wählen geht…….

  8. dfgdfgdfgdfg sagt:

    >Viel schlimmer finde ich ja die Tatsache,
    >dass die Menschen, die Leid erfahren haben,
    >heute anderen Menschen systematisch Leid
    >zufügen (Israel/Palästina).

    Was für ein dummer Satz. Die heutigen Israelis sind (zum allerallergrößten Teil) nicht die gleichen Personen wie die damaligen deutschen Juden.

    Diese Gleichsetzung legt die Existenz rassistischer Denkmuster beim Autor des Posts nahe.

  9. Markus sagt:

    @dfgdfgdfgdfg: Was für ein dummer Kommentar. Dann sollten die heutigen Israelis die Fresse halten und nicht auf das Leid der damaligen deutschen Juden hinweisen. Dein Kommentar legt die Existenz von einzelligem Leben nahe.

  10. DaMigrant sagt:

    @someone

    Ich stimme dir in fastt zu ausser in folgendem Zitat:
    “Integration beschäftigt sich damit, wie man Gruppenunterschiede möglichst reduziert”
    Das stimmt so nicht das was du Integration nennst ist Assimilation.
    Integration ist wenn eine einheitliche Basis,unter Einbezug der zu integrierenden Person/Gruppe, geschaffen wird auf der kommuniziert und gelebt wird.

    Außerdem finde Pegah Ferydoni folgenden Satz sehr wichtig:
    Man sollte mehr Filme über Neonazis machen statt über Ehrenmorde. Ich möchte mal vom Kino wissen, wer diese 700 000 NPD-Wähler sind…

    Den Rest des Satzes der sich mit der Bildungspolitik befasst habe ich nicht zitiert,da ich in diesem Punkt nicht mit ihr übereinstimme.Meiner Meinung nach ist Bildung das wichtigste Gut in und für Deutschland.
    Ohne Bildung kommt ein Individuum nicht sehr viel weiter als HartzIV und ohne Bildung geht Deutschland,
    welches kaum rentable Rohstoffe besitzt, vor die Hunde.
    Deutschland war nur deshalb langjähriger Exportweltmeister(jetzt zweiter nach den chinesischen Billigheimern), weil wir in Sachen Maschinenbau und Technik unschlagbar sind.

    Der Teil mit der verzerrten Darstellung der Türkinnen
    gefiel mir besonders gut. Das regt mich auch schon seit Ewigkeiten auf. Wenn man mal auf die Medien achtet
    (Filme,Serien,scripted-Realities)bemerkt man relativ schnell, dass von drei Rollen eines Türken zwei negativ behaftet sind.

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