Jeder kennt die Situation: man weiß, dass es einem nicht gut tut, man anders handeln müsste und das nicht machen darf und es total irrational ist… aber man kann nicht anders. Und macht doch das Falsche. Das Herz spielt anders, als der Kopf…
Vor kurzem hatte ich genau mit diesen Gefühlen zu kämpfen: Es geht um die deutsche Nationalmannschaft.
Jaja, wir unterstützen die Mannschaft, sie spiegelt genau die deutsche Gesellschaft wider. Der Özil betet, der Sami ist auch dabei. Poldi fühlt auch noch polnisch. Die spielen sogar südländisch. Multikulti auf dem Platz. Gestern noch die gesellschaftliche Bankrotterklärung – heute die Lösung für alle Probleme Deutschlands. Die Zukunft kann kommen.
Das Halbfinale Deutschland gegen Spanien schaue ich mir mit einigen deutschen Arbeitskollegen an. Und attestiere auch, dass ich für Deutschland bin. Aber die Spanier, die spielen verdammt gut. Als Fussball-Kenner zeige ich Hochachtung. Wow!!! Lehrbuchfussball! So muss es sein. Also, nehme ich die Niederlage mit Fassung. Die Spanier waren klar besser.
Das war mein Kopf. Und innerlich?
Bei jeder spanischen Kombination und Torchance merke ich, dass diese Augenblicke meinen Herzen erregen. Ich muss aufpassen, dass meine „Tarnung“ nicht auffliegt. „Wow! Das war ein guter Spielzug. Deutschland muss aufpassen!“ sage ich, meine das aber irgendwie nicht wirklich. Alles spricht dafür, dass ich zu dieser deutschen Mannschaft halte. Komm schon! Da spielt ein Türke, ein Tunesier, Polen und sonst was, die essen Schisch-Kebap. Sogar der Löw hat ein „Ö“ im Namen, um sich in die Herzen der Türken zu katapultieren. Mein Kopf kämpft, aber mein Herz weigert sich noch…

hahaha das war doch nicht Deutschland, sondern ein Mischland
Da sprich mir einer aus meiner Seele heraus… Ich als Tscheche habe mich auch so gefühlt… Obwohl meine Vergangenheit in Deutschland viel länger als wie bei euch, mein Großvater ist 1950 nach Deutschland ausgewandert. Er hat sowieso nicht für Deutschland halten können, mein Vater hat es auch nicht geschafft, verdammt auch ich schaffe es irgendwie nicht… Was für ein Dilemma…
Gott sei Dank ist Deutschland rausgeflogen… Viva Espana!
Ihr lebt in Deutschland und seit froh das Deutschland raus ist? Warum der Hass?
haha Tanja? Warum der Hass gegenüber den Migranten? Meinst Du, an einem Tag ist alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen?
Und es ist kein Hass, sondern “nur” das Gefühl, das wir noch nicht so weit sind, Deutschland in unser Herzen zu schließen. Dass es nicht rational ist, steht oben ganz deutlich geschrieben.
mal wieder ein beispiel dafür, dass integration erst erfolgreich beendet ist, wenn die identifikation anfängt
Jetzt mal ganz ehrlich…warum soll ich mich für Deutschland freuen? Welcher Deutsche freut sich denn für einen Türken, wenn die Türkei gewinnt…ich erinnere mich noch gut an die EM2008, als die Türkei immer in der letzten Minute den Sieg noch reinholte…”Die Türken haben ja wieder Glück gehabt” usw…solche Kommentare hört man sich dann am nächsten Tag auf der Arbeit an…natürlich leben WIR hier in Deutschland und nicht umgekehrt, aber solange den hier lebenden Türken diese negative Stimmung verbreitet wird kann nicht erwartet werden, das alle Migranten sich jetzt für Deutschland freuen…
@ceto
“Welcher Deutsche freut sich denn für einen Türken, wenn die Türkei gewinnt…”
Ich hab mich für die Türkei gefreut und eigentlich alle, dieich kenne auch. Es gibt durchaus Deutsche, die froh sind, dass “ihr Ausländer” uns hier nicht mit uns alleine lasst und wir eine gemischte Gesellschaft sind.
Ja, klar muss geschaut werden, dass das mit der Integration besser hinhaut, wobei ich da keine einseitigen Integrationsmassnahmen/ -anstrengungen von seiten der Zuwanderer meine. Vor allem auch die Aufnahmegesellschaft muss sich öffnen, Ressentiments abbauen ( denkt mal, vor wie kurzer Zeit die Union noch gesagt hat ” D ist kein Einwanderungsland”), Chancen ermöglichen(Schule, Studium…).
Bischen ot jetzt, aber auf jeden Fall sind nicht alle Deutschen Fremdenfeinde. Aber leider viel zu viele.
Schönen Gruß
@MenschenFreundFeind: So sehe ich das auch. Ich bin immer für eine differenzierte Betrachtung und ich glaube, dass sich einige Deutsche wirklich gefreut haben für die Türkei.
Wenn wir alle über einen Kamm scheren befinden wir uns doch auf dem selben Niveau, wie die fremdenfeindlichen Hornochsen.
Muss man denn immer für das Land sein, in dem man gerade wohnt? Ich meine, wenn man unbedingt mit anderen herumgrölen will, dann ist man natürlich mit der heimischen Mannschaft auf der sicheren Seite, aber ansonsten finde ich den Artikel und einige Kommentare doch erstaunlich.
Ich bin für die, deren Spiel mir am besten gefällt, und die die sympathischsten Spieler haben.
Ich fand es nach Deutschland-Spanien sehr süß, wie die einzige Spanierin in dem Raum, in dem ich geguckt habe, völlig allein völlig ausgeflippt ist.
Und ich war als Deutsch-Amerikanerin für Ghana. Als ich das einem in Beirut neben mir lautstark für die Deutschen jubelnden Libanesen und seinem Freund bei dem Ghana-Deutschland-Spiel mitteilte, ist denen allerdings auch die Kinnlade heruntergeklappt.
Auch ich habe feststellen müssen, das Kopf und Herz manchmal getrennte Wege gehen, nun wenn schon die Türkei diesmal (wieder mal:-() nicht mit dabei ist werde ich Deutschland unterstützen dachte ich mir vor der WM, doch was musste ich während den Spielen der deutschen Mannschaft feststellen ??? ich ertappte mich immer wieder insgeheim dabei den Gegner zu unterstützen, warum ??? Ich weiß es wirklich nicht ich bin seit 35 Jahren in Deutschland , habe den deutschen Paß kann aber irgendwie keine Verbindung herstellen zu diesem System, obwohl ich es will.
Ich denke mal daß ich sehr gut integriert bin, habe einen guten Job viele deutsche Freunde und auch sonst
passt alles , aber es geht einfach nicht . Liegt es vielleicht daran daß es den meisten, nicht allen, Deutschen ebenso geht, die uns immer noch nicht als Teil ihrer Gesellschaft akzeptieren können?