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Was es schon immer gab – Teil 1

Dies ist der Anfang einer kleinen Serie wie Migranten den Alltag in Deutschland verändert haben. Ich schreibe sie aus verschiedenen Gründen nieder:

a)      Damit die nutzengeile Gesellschaft weiß, was es von den Migranten hat

b)      Damit Migranten wissen, was sie verändert haben

c)      Damit man nicht morgen sagt: „Datt jab et schon immer!“

Jubelorgien nach Fußballspielen

Habe da die Tage etwas gelesen in der TAZ:

Alfred Fuhr: Bei uns ist das Phänomen erst seit der WM 2002 stärker präsent. In den 70er-Jahren gab es Autokorsos vor allem in Südeuropa. Ich erinnere mich an Bilder aus Rom, als nach der Fußball-WM 1970 alle um einen Brunnen rumgefahren sind. Diese überschäumende Freude, das geziemte den Deutschen nicht. Mit den Migranten kam das zu uns.

Den letzten Satz will ich ein wenig näher beleuchten: Wir schreiben das Jahr 1996. Deutschland schießt sich zum Europameister. Zehn Minuten nach Spielende fuhren stolze zwei Autos, ein Golf und ein Fiesta, hupend an mir vorbei. Ich weiß es noch so genau, weil ich so etwas zum ersten Mal gesehen habe.

Sechs Jahre später bei der WM. Türkei ist endlich dabei und es gibt Grund zu feiern. Die hier lebenden Türken nutzen jede Gelegenheit, um mit Autos, Flaggen und Dauergehupe die Innenstadtrunden zu drehen, sogar in der Vorrunde. Von Deutschen Fans gab es nur verhaltene „Deutschland“-Schreie. Der Deutsche hält sich gerne zurück, was seine Emotionen angeht, es sei denn, er hat mal wieder Alk im Blut.

Ab dem Achtelfinale verschärften sich die Feierlichkeiten der Türken, der Funke sprang dann auf die deutschen Fans über. Auch sie legten fortan Innenstädte lahm und brannten Autohupen durch. Seit dieser WM feiern Deutsche mit ihren Autos in Innenstädten, und seit der WM 2006 gibt es infolgedessen Public Viewings im ganz großen Stil.

Einige Deutsche haben zu schnell vergessen, von wem sie das Feiern abgeschaut haben, versuchen sie doch mir klarzumachen, dass es so etwas schon immer in Deutschland gab. Sorry, yemezler. Ich finde es schön, dass Deutsche endlich anfangen Emotionen zu zeigen, wäre es doch schön, wenn es überschwappen würde auf andere Lebensbereiche.

Kategorie: Allgemein, Deutschland, Integration, Türkei


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6 Kommentare

  1. Serkan sagt:

    coole Serie freue mich schon auf die andere Teile…

  2. Philipp sagt:

    Freue mich ebenfalls auf den 2. Teil.
    Dass sind wirklich Themen die ich auch bemerkt bzw. beobachtet habe, aber hab es nie so gut zum Ausdruck bringen können…

  3. MICH habt ihr in diesem Punkt nicht verändert. ICH bleibe kühl, und je heißer die Leute um mich herum feiern, desto kühler (aber nicht unfreundlicher!) werde ich. Ich verwandle mich nämlich in einen Ethnologen und Philosophen, der interessiert beobachtet.
    Es gefällt mir, wenn die Leute um mich herum gute Laune haben. Drum geh ich gern übers Oktoberfest – ich sauf nix, fahr mit nix, kauf mir (fast) nix (gelegentlich mal gebrannte Mandeln) – aber ich genieße das deutsche oder besser traditionell bayerische Feiern als happy observer. Auch im Bierzelt – bei genau 1 Maß bin ich um 22 Uhr der letzte nüchterne Mensch unter 10 000 mehr oder weniger Besoffenen.
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    Womit ich nicht deine These widerlegt haben will, dass die Deutschen beim Fußballfeiern echt was abgeschaut haben von euch Türken.
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    Ein bisschen FREMD ist mir dieses Feiern aber immer gewesen, sei es traditionell Oktoberfest-Bayerisch oder Suffparty-Deutsch oder Fußball-Türkisch. ICH denke bei solchen Anlässen gerne an unsere und speziell meine Niederlagen, an die traurigen Seiten des Lebens, an die Verlierer.
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    Wenn’s nach mir ginge, würden wir – falls Argentinien am Samstag verlieren sollte – für diese armen Argentinier unsere Freude stark dämpfen. Stellt euch doch vor, wie traurig sie sein werden. Es bricht mir das Herz jetzt schon. Aber sollten sie gewinnen, hab ich Grund zur Freude, denn dann stell ich mir ihren Jubel vor, und Maradonas magisches Strahlen, und das Glück von 35 oder so Millionen wird mich über “unsere” Niederlage hinwegtrösten.
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    Querschläger, du siehst, bei MIR hast du keine Chance. ICH bleibe … na ja, eigentlich nicht Deutsch, aber der Deutsche Leo Brux.

  4. tobe sagt:

    ach euch verdanken wir diesen lärm nach jedem spiel ;-p

  5. TekDarv sagt:

    Ich finde den Artikel gut, allerdings kann ich mich noch gut an die EM 1992 erinnern. Da zog Deutschland, die gegen Schweden gewonnen hatten, ins Finale ein. Ich zog darauf hin mit Freunden in die Innenstadt. Da war alles voller Menschen, die feierten, schwenkten schwarz-rot-gold und fuhren hupend in Autokorsos durch die Stadt ;)

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